Auf diesem Weblog veröffentlichen wir regelmäßig Neuigkeiten zur Kraniofazialen Orthopädie:
- Antworten auf Fragen, wie zum Beispiel: Was ist …?
Oder: Wie entscheide ich bei …?
- Lösungen für Probleme aus der täglichen Praxis, wie zum Beispiel:
Was soll ich tun bei …?
- neue Artikel
- neue Video-Vorträge
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01. Februar 2012
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Okklusionsstörungen sind Formstörungen der Kau- und Führungsflächen von Zähnen. Sie entstehen aufgrund von
- Zahnfehlstellungen
- Dysgnathien
- Zahnformanomalien
- Zahnzahlanomalien
- iatrogen durch restaurative und/oder prothetische Maßnahmen
- iatrogen durch kieferorthopädische Maßnahmen
- iatrogen durch chirurgische Maßnahmen
Als Formstörungen belasten Okklusionsstörungen unmittelbar die Funktionen des Kraniomandibulären Systems. Diese Funktionen sind Kauen, Schlucken, Sprechen, Atmen sowie Knirschen und Pressen. Bei den Funktionen Kauen, Schlucken, Sprechen und Atmen wirken so geringe Muskelkräfte, dass die entsprechenden funktionellen Belastungen innerhalb und außerhalb des Kausystems in der Regel leicht adaptiert bzw. kompensiert werden können und nicht zu Symptomen führen. Beim Knirschen und Pressen (vor allem nächtlichem Bruxismus) entstehen allerdings so hohe Kräfte, dass die beteiligten Gewebe innerhalb und außerhalb des Kausystems überlastet und schmerzhaft werden können.
Okklusionsstörungen sind also nicht unbedingt und von vornherein behandlungswürdig. Erst wenn hohe Muskelkräfte beim Knirschen und Pressen einwirken, können die beteiligten Gewebe innerhalb und außerhalb des Kausystems überlastet und schmerzhaft werden. Dies ist in der Praxis der wichtigste und häufigste pathogenetische Weg, wie Okklusionsstörungen zu Muskel- und Gelenkschmerzen innerhalb und außerhalb des Kausystem führen können. Darüber hinaus gibt es aber noch zwei weitere Wege:
- Okklusionsstörungen können die Gleichgewichtsregulation und damit die Körperhaltung negativ beeinflussen.
- Zwanghafte Patienten können vigilant werden. Das heißt: Sie fokussieren ihre Aufmerksamkeit auf die Okklusion und aktivieren permanent ihre Kaumuskulatur, um ihre Zahnkontakte zu überprüfen. Sie verlernen, die Ruhelage des Unterkiefers einzunehmen. Sie verlernen, dass “der richtige Biss KEIN Biss ist”.
In den nächsten drei Weblog-Posts werde ich diese drei Möglichkeiten beschreiben, wie aus meiner Sicht Okklusionsstörungen zu Muskel- und Gelenkschmerzen führen können:
- Bruxismus
- Propriozeptiver Input für die Gleichgewichtsregulation
- Zwanghafte okklusale Vigilanz
Herzliche Grüße und alles Gute
Ihr Erich Wühr
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Tags: Bruxismus, Form- und Funktionsstörungen, Gleichgewichtsregulation, Knirschen und Pressen, Okklusion, Okklusionsstörungen, Zwanghafte okklusale Vigilanz Abgelegt in Okklusion | 5 Kommentare »
11. Januar 2012
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
“Der richtige Biss ist KEIN Biss!” Die normale Lage des Unterkiefers ist die Ruhelage. Ober- und Unterkieferzähne berühren sich die meiste Zeit nicht, sondern werden fast den ganzen Tag und die ganze Nacht in einem Abstand von 2 bis 4 mm gehalten. Insofern ist der Begriff “habituelle Okklusion” irreführend, weil gewohnheitsmäßig (habituell) eben keine Zahnkontakte zustande kommen.
Allerdings am Ende des Schluckvorgangs, etwa jede Minute, stützt sich der Unterkiefer kurz, aber mit sehr geringer Kraft (5 Pond) am Oberkiefer ab. Dabei okkludieren die Zähne in der maximal möglichen Interkuspidation. Das Schlucken ist neben dem Pressen (siehe unten) die einzige Funktion des kraniomandibulären Systems bei dem die maximale Interkuspidation eingenommen wird. Meine Hypothese ist, dass diese eindeutige Okklusionsposition beim Schlucken über die Propriozeption der Parodontien und die trigeminozerebellaren Projektionen an das Kleinhirn gemeldet wird und zur Gleichgewichtsregulation beiträgt: Ähnlich einem Industrieroboter, der regelmäßig seine Nullposition einnehmen muss, um Fehler zu vermeiden, könnte es sein, dass das Kleinhirn in seiner Steuerung beim Schlucken durch die Einnahme der eindeutigen und hart abgestützten maximalen Interkuspidation kalibriert wird. Diese Zusammenhänge würden auch erklären, warum Menschen die Zähne zusammenbeissen, wenn sie größere Kräfte entfalten wollen, zum Beispiel beim Heben schwerer Gegenstände. Mit zusammengebissenen Zähnen ist es leichter, das Gleichgewicht zu halten.
Beim Kauen haben die Zähne keinen Kontakt: Kurz (10 Mikrometer) bevor es zum Zahnkontakt kommt, öffnen sich die Kiefer wieder. Dazu ist Kauen neurophysiologisch extrem präzise gesteuert. Eine Analogie mag dies verdeutlichen: Stellen Sie sich vor, ein Formel-1-Rennwagen würde auf einer Strecke von 300 Metern auf 300 Stundenkilometer beschleunigt und rast auf eine Wand zu. Nur 3 Zentimeter vor der Wand leitet der Fahrer den Bremsvorgang ein, um 3 Millimeter vor der Wand stehen zu bleiben und dann sofort wieder rückwärts auf 300 Stundenkilometer zu beschleunigen. Technisch ist so etwas natürlich unmöglich, aber die neurophysiologische Steuerung des Kauvorgangs erreicht diese Präzision. Je nach Konsistenz der Nahrung werden beim Kauen 1 bis 3 Kilopond Kraft in das Schädelgefüge eingeleitet.
Knirschen und Pressen (besser: exzentrischer und zentrischer Bruxismus) ist das Phänomen, dass im Zuge der aggressiven Stressreaktion (“Kämpfen”) auch die Kaumuskulatur aktiviert wird. Das Kausystem dient hierbei der Stressorenverarbeitung (nicht: Stressverarbeitung!). Vor allem beim nächtlichen Bruxismus werden dabei enorme Kräfte freigesetzt: 200 bis 300 Kilopond sind gemessen worden. In erster Linie sind es diese Kräfte, die Muskeln und Gelenke innerhalb und außerhalb des Kausystems überlasten können, besonders dann, wenn im betreffenden Gebiss Okklusionsstörungen vorliegen.
Mit Okklusionsstörungen wird sich mein nächster Weblog-Post beschäftigen.
Bis dahin alles Gute und viel Erfolg
Ihr Erich Wühr
Über Ihre Kommentare zu diesem Post freue ich mich!
Tags: Bruxismus, Kauen, Knirschen und Pressen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Okklusion, Okklusionsstörungen, Ruhelage, Schlucken, Stressreaktion Abgelegt in Okklusion | 6 Kommentare »
10. Januar 2012
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches und sinnerfülltes Neues Jahr.
In unserem Weblog Kraniofaziale Orthopädie möchte ich das Jahr 2012 mit einer achtteiligen Serie (alle drei Wochen) über die Okklusion beginnen. Die (Re-)Konstruktion einer funktionsfähigen Okklusion gehört zu unserer alltäglichen Arbeit: Sowohl in der restaurativen und prothetischen Zahnmedizin als auch in der Kieferorthopädie spielt sie eine genauso wichtige, wenn nicht wichtigere Rolle wie die Ästhetik. Iatrogene Okklusionsstörungen können dazu beitragen, dass Muskeln und Gelenke innerhalb und außerhalb des Kausystems belastet und schmerzhaft werden.
Allerdings sind Okklusionsstörungen nicht unbedingt und von vorne herein behandlungswürdig: Erst, wenn Muskelkraft über sie ausgeübt wird (hier sind vor allem die enorm hohen Kräfte beim nächtlichen Bruxismus von pathogenetischer Bedeutung), können die betroffenen Muskeln und Gelenke überlastet werden. Und: Auch bezüglich okklusaler Formstörungen hat der menschliche Körper eine große Adaptations- und Kompensationskapazität.
Bereits morgen wird der erste Weblog-Post dazu erscheinen. Er heißt: “Der richtige Biss ist KEIN Biss!”
Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr
Tags: Bruxismus, Kraniofaziale Orthopädie, Muskel- und Gelenkschmerzen, Okklusion, Okklusionsstörungen Abgelegt in Okklusion | Keine Kommentare »
22. Dezember 2011
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende – auch für die Kraniofaziale Orthopädie. Ich hoffe, dass Ihnen meine kleinen Weblog-Artikel nützlich waren.
Ich wünsche Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest und einen besinnlichen Jahresausklang.
Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr
Ich werde mich im Januar mit einem neuen Artikel zurückmelden.
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13. Dezember 2011
Der erste Schritt bei der Behandlung der Kiefergelenke ist immer die Eliminierung belastender funktioneller und externer Kräfte. Im vorherigen Weblog-Post vor 14 Tagen haben wir dies besprochen. Nun kommt der zweite Schritt: Die Wiederherstellung von Form und Funktion der Kiefergelenke. Eigentlich geht es dabei nur um die Aufrechterhaltung physiologischer Funktionen, denn die Bindegewebe der Kiefergelenke haben ein großes Regenerationspotenzial. Sie werden ihre Form im Laufe der Zeit automatisch normalisieren, wenn sie ausschließlich physiologisch belastet werden. Zusätzlich verfügen wir über physiotherapeutische Möglichkeiten, um die Regeneration der
Gewebe zu unterstützen.
Wiederherstellung physiologischer Funktionen
Die Wiederherstellung physiologischer Funktionen geschieht durch die Abstützung der zentrischen Unterkieferrelation durch eine zentrische Okklusion. Dies kann erfolgen durch Stabilisierungsschienen verschiedenster Art, durch aufgeklebte, laborgefertigte Kauflächen aus Composite oder Keramik (so genannte table tops) oder durch provisorische bzw. definitive restaurative Maßnahmen. Besonders wichtig ist die Vermeidung hoher Kräfte beim nächtlichen Bruxismus. Dies geschieht durch das Tragen einer Jig-Schiene für mindestens weitere drei Monate. Da wir allerdings Bruxismus für eine normale Funktion des Kausystems halten, raten wir Patienten, auch über die Zeit der Regeneration hinaus eine Jig-Schiene zu tragen.
Physiotherapie
Physiotherapeutische Maßnahmen können die Regeneration der Bindegewebe der Kiefergelenke unterstützen. Es geht darum, die Durchblutung der Gewebe zu fördern und dadurch mit Energiestoffen (Sauerstoff und ATP) zu versorgen. In unserer Praxis hat sich dabei die Matrix-Rhythmus-Therapie (www.marhythe-systems.de) besonders bewährt. Sie ist physiotherapeutisch unser Mittel der Wahl geworden.
Zur unterstützenden Physiotherapie gehören auch funktionelle Übungen, die wir dem Patienten beibringen und die er in eigener Verantwortung
durchführen soll. Es haben sich in unserer Praxis zwei Übungssysteme bewährt:
- Die Feldenkrais-Methode: Hier gibt es die verschiedensten Audio-Kassetten, die wir dem Patienten empfehlen (Suchen Sie bei www.amazon.de unter „feldenkrais kiefer“).
- Die Spiraldynamik nach Christian Larsen: Auch hierfür gibt es Audio-Kassetten (Suchen Sie bei www.amazon.de unter “spiraldynamik kiefer“).
Unsere Ausgangsfrage war: Was müssen wir als Praktiker über das Kiefergelenk wissen? In dreizehn Weblog-Posts habe ich Ihnen meine Antwort auf diese Frage beschrieben. Falls Sie alle Posts in einem Artikel nochmal lesen wollen, können Sie die entsprechende Datei hier herunterladen.
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Jahresausklang und melde mich im Januar wieder.
Herzliche Grüße und Alles Gute im Neuen Jahr
Ihr/Euer Erich Wühr
Tags: Bruxismus, Feldenkrais, Kiefergelenke, Physiotherapie, Spiraldynamik, Übungstherapie, Wiederherstellung von Form und Funktion Abgelegt in Kiefergelenke | Keine Kommentare »
30. November 2011
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Nachfrage nach unseren Seminaren zur Kraniofazialen Orthopädie nimmt erfreulicher Weise immer mehr zu. So haben ich mich entschlossen, das 2-Tages-Seminar in 2012 fünfmal abzuhalten – in Bad Kötzting, Nürnberg, Herne, München und Würzburg.
Dieses 2-Tages-Seminar ist das erste Seminar des fünfteiligen Curriculums “Kraniofaziale Orthopädie”, und ich empfehle Ihnen, zunächst das 2-Tages-Seminar zu besuchen und erst danach zu entscheiden, ob Sie weitermachen wollen.
Die Teilnehmer des Seminars erhalten 18 Fortbildungspunkte und werden auf unseren Websites in die Zahnarzt-/Therapeuten-Suchliste aufgenommen: siehe http://www.falscher-biss-macht-schmerzen.de/adressen.php
Hier können Sie sich näher über das Seminar und die Seminarreihe informieren: http://kraniofaziale-orthopaedie.de/seminar.php
Oder Sie rufen mich an, wenn Sie Fragen haben: 09941-1706
Ich freue mich, wenn wir uns im Seminar treffen.
Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr
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29. November 2011
Wir erinnern uns:
Die regulative, regenerative, adaptative und kompensatorische Kapazität der Bindegewebe der Kiefergelenke ist groß: Auch bei ausgeprägten Gewebeveränderungen können die Gelenke hinreichend und symptomfrei funktionieren. Das bedeutet, dass nicht jede strukturelle und funktionelle Störung in den Kiefergelenken behandelt werden muss. Wenn wir uns aufgrund eines Patientenanliegens, rezidivierender Kieferklemme oder Kiefersperre, vor umfangreichen restaurativen und/oder prothetischen Sanierungen oder bei Muskel- und Gelenkschmerzen dazu entschließen, Form- und Funktionsstörungen der Kiefergelenke zu behandeln, dann müssen wir zuallererst belastende funktionelle und belastende externe Kräfte mit Hilfe der klinischen, instrumentellen und bildgebenden Form- und Funktionsanalyse sowie der Haltungs- und Bewegungsanalyse identifizieren und eliminieren. Die Eliminierung der Belastungen ist unbedingt notwendig, um Form und Funktion der Kiefergelenke nachhaltig wiederherzustellen.
Eliminierung belastender funktioneller Kräfte
Wir erachten von allen funktionellen Kräften im kraniomandibulären System nur die Kräfte, die beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen (Bruxismus) auftreten, als potenziell belastend für die Kiefergelenke. Um diese enorm hohen Kräfte (bis zu 300 kp sind im Bereich der Okklusion gemessen worden) zu vermeiden, nutzen wir den Reflex, dass der N. trigeminus die Kraftentfaltung in der Kaumuskulatur auf 1 bis 3 kp reduziert, wenn nur die unteren Frontzähne Kontakt haben. Wir tun dies mit einer so genannten Jig-Schiene. Grundlegend zur Vermeidung hoher Kräfte beim Bruxismus ist allerdings der angemessene Umgang mit Stress. Deshalb absolvieren unsere Patienten begleitend zur Jig-Schienen-Therapie ein Stress-Management-Training bei unserem Psychologen oder in eigener Verantwortung ein Entspannungstraining.
Eliminierung belastender externer Kräfte
Belastende externe Kräfte sind dysfunktionelle Kräfte, die aus dem Fasziensystem auf die Kiefergelenke wirken. Sie werden von den Orthopäden, Physiotherapeuten, Osteopathen und anderen Experten in unserem interdisziplinären Netzwerk eliminiert, indem sie Körperfehlhaltungen und Beweglichkeitseinschränkungen behandeln. Besonders bewährt hat sich dabei in unseren Händen die Matrix-Rhythmus-Therapie. Sie behandelt Prozessstörungen auf zellbiologischer Ebene (akute und chronische Entzündungen) und stellt Form und Funktion belasteter Bindegewebsbereiche wieder her.
Zusätzlich muss bei vielen Patienten die Gleichgewichtsregulation durch optometrische Maßnahmen (Augenmuskelübungen und Prismenbrillen) und durch propriozeptive Einlagesohlen verbessert werden.
Alle diese Maßnahmen zur Normalisierung der externen Kräfte, die auf die Kiefergelenke wirken, führen in der Regel dazu, dass die Schläfenbeine ihre Position innerhalb des Gefüges der Schädelknochen ebenso verändern wie der Unterkiefer seine relative Lage zum Oberkiefer. In der Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse in einen Artikulator sehen wir dann eine Abweichung der vorbehandelten Unterkieferposition von der habituellen Interkuspidation, die mehrere Millimeter betragen kann. Diese Unterkieferlage muss durch eine Aufbissschiene oder andere Maßnahmen (restaurativ, prothetisch, kieferorthopädisch, Einschleifen) dauerhaft stabilisiert werden.
Unsere Ausgangsfrage war: Was müssen wir als Praktiker über das Kiefergelenk wissen? Hier meine Antwort darauf: In der Therapie ist die dauerhafte Eliminierung belastender externer und funktioneller Kräfte unbedingte Voraussetzung dafür, dass daran anschließend Form und Funktion der Kiefergelenke wiederhergestellt werden können. Letzteres werde ich im nächsten und abschließenden Post unserer Weblog-Serie über die Kiefergelenke beschreiben.
Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr
Tags: Artikulator, Aufbissschiene, Augenmuskelübungen, Bruxismus, Entspannungstraining, externe Kräfte, Fasziensystem, Funktionelle Kräfte, Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse, Interdisziplinäres Konzept, Jig-Schiene, Kiefergelenke, Kieferklemme, Kiefersperre, Matrix-Rhythmus-Therapie, Muskel- und Gelenkschmerzen, Optometrie, Orthopädie, Osteopathie, Physiotherapie, Prismenbrille, propriozeptive Einlagesohlen, Stress-Management-Training Abgelegt in Kiefergelenke | Keine Kommentare »
15. November 2011
Externe Kräfte, die auf die Strukturen der Kiefergelenke wirken, nennen wir diejenigen Kräfte, die mit ihren eigentlichen Bewegungsfunktionen nichts zu tun haben. Sie wirken sich auf die räumliche Lage des Unterkiefers und der beiden Schläfenbeine aus sowie auf die Lagebeziehung dieser drei Knochen zueinander: Auf die Schläfenbeine wirken muskuläre, ligamentäre und durale Kräfte. Auf den Unterkiefer wirken die Kräfte der ansetzenden Muskeln: Kaumuskeln sowie supra- und infrahyoidale Muskeln. Insgesamt können wir sagen, dass die Kiefergelenke Teile des Fasziensystems sind und sich Kräfte aus dem Fasziensystem auf die Kiefergelenke übertragen.
Dysfunktionelle Kräfte im Fasziensystem äußern sich als Köperfehlhaltungen (Formstörungen) und Beweglichkeitseinschränkungen (Funktionsstörungen). Als Zahnärzte und Kieferorthopäden sollten wir in der Lage sein, mit einfachen Methoden der Haltungs- und Bewegungsanalyse Hinweise auf Form- und Funktionsstörungen des Fasziensystems zu erkennen und vertiefende Untersuchungen (und Behandlungen) bei Orthopäden, Physiotherapeuten oder Osteopathen in unserem interdisziplinären Netzwerk auszulösen. Wir haben in der sogenannten Posturalen Grunduntersuchung solche einfachen Methoden zusammengefasst und in einem Videovortrag dargestellt, den sie sich anschauen können, wenn Sie hier anklicken.
In den beiden letzten Posts unserer Weblogserie über das Kiefergelenk werden wir besprechen, wie wir belastende funktionelle und externe Kräfte eliminieren und anschließend Form und Funktion der Kiefergelenke wiederherstellen können.
Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr
Tags: externe Kräfte, Fasziensystem, Form- und Funktionsstörungen, Haltungs- und Bewegungsanalyse, Interdisziplinäres Konzept, Kiefergelenke, Orthopädie, Osteopathie, Physiotherapie, Posturale Grunduntersuchung Abgelegt in Kiefergelenke | Keine Kommentare »
03. November 2011
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sensorische Afferenzen aus dem Kausystem werden über trigeminozerebellare Projektionen an das Kleinhirn weitergeleitet und gelten gemäß der modernen Forschung als wichtiger Input für die Gleichgewichtsregulation des biologischen Systems Mensch im Schwerkraftfeld der Erde. Das Ergebnis dieser Regulationsprozesse ist die Körperhaltung. Darüber hinaus “mischt” das Kleinhirn auch bei allen bewusst, unterbewusst oder unbewusst intendierten Bewegungen mit.
Diese Zusammenhänge zu kennen, ist für jeden therapeutisch Tätigen von zentraler Bedeutung, gerade auch für uns Zahnärzte. Deshalb möchte ich heute auf einen interessanten Kongress hinweisen, das
2. Münchner Symposium für
Haltungs- und Bewegungssteuerung
am 26. November 2011 in München, von 8:30- 17:15 Uhr in der Hochschule für angewandte Wissenschaften
Das Leitthema der Veranstaltung lautet: Körperhaltung ist kein Zufall: Sensomotorik zwischen Soma und Psyche
Veranstalter und Programminformationen: Gesellschaft für Haltungs- und Bewegungsforschung e.V. www.ghbf.de
Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr
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02. November 2011
Als bildgebende Verfahren der Form- und Funktionsanalyse des Kiefergelenks kommen infrage:
- Orthopantomogramm (mit speziellen Schichtprogrammen)
- Transkranielle Röntgenaufnahmen, zum Beispiel nach Schüller
- Tomografien, vor allem Computertomografie
- Magnetresonanztomografie, einschließlich dynamischer Magnetresonanztomografie
Die bildgebenden Verfahren sind in erster Linie Verfahren der Formanalyse des Kiefergelenks. Nur die dynamische Magnetresonanztomografie kann der Funktionsanalyse dienen. Die Bedeutung der bildgebenden Verfahren wird vielerorts überschätzt. Der Erkenntnisgewinn aus diesen Verfahren und somit ihre Bedeutung für therapeutische Entscheidungen sind in der Regel gering, und so halten wir es nicht für gerechtfertigt, bildgebende Verfahren routinemäßig als Primärdiagnostik einzusetzen. Zumal diese Verfahren oft teuer und, im Falle der Computertomografie, auch mit Strahlenbelastungen behaftet sind: Ihre Kosten-Nutzen-Relation ist meist ebenso ungünstig wie ihre Belastung-Nutzen-Relation.
Wir erachten bildgebende Verfahren zur Formanalyse des Kiefergelenks nur als indiziert zur Differenzialdiagnostik bei Verdacht auf Tumoren und bei Traumata.
Wieder können wir für vertiefende Informationen zu diesem Thema das hervorragende Buch von Bumann und Lotzmann empfehlen: Funktionsdiagnostik und Therapieprinzipien. Farbatlanten der Zahnmedizin 12. Stuttgart: Thieme 2000
Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr
Tags: Bildgebende Form- und Funktionsanalyse, Computertomogram, Differenzialdiagnostik, Kiefergelenke, Magnetresonanztomogramm, Orthopantomogramm Abgelegt in Kiefergelenke | Keine Kommentare »
© Dr. med. dent. Erich Wühr | Müllerstraße 7 | 93444 Bad Kötzting | Tel.:09941-1706
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E-Mail: Dr. med. dent. Erich Wühr - ewuehr@zahnarztrpraxis-dr-wuehr.de E-Mail: Dr. med. dent. Wolfgang Funk - wfunk@zahnarztpraxis-dr-wuehr.de
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