Archiv für die Kategorie ‘Was soll ich tun? Problemlösungen’

Die Jig-Schiene hat geholfen. Was soll ich tun?

Dienstag, 06. Juli 2010

Wenn die Jig-Schiene die Schmerzen des Patienten lindert, dann ist der Nachweis erbracht: Die muskulären Überlastungen durch die hohen Kräfte beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen sind für die Schmerzen verantwortlich oder mitverantwortlich. Die Fortsetzung des Stress-Management-Trainings ist als grundlegende Vorgehensweise indiziert.

Des Weiteren stellt sich die Frage, ob zusätzlicher zahnärztlicher Handlungsbedarf besteht. Dazu fragen wir den Patienten, ob morgens, wenn er die Jig-Schiene herausnimmt, seine Zähne sofort aufeinanderpassen oder ob er für einige Minuten das Gefühl hat, keinen Biss zu finden:

  • Findet der Patient nach dem Herausnehmen seiner Jig-Schiene sofort seinen habituellen Biss, so liegt in Bezug auf Bruxismus kein weiterer zahnärztlicher Handlungsbedarf vor.
  • Findet der Patient nach dem Herausnehmen seiner Jig-Schiene nicht sofort seinen habituellen Biss, so besteht weiterer zahnärztlicher Handlungsbedarf.

Im zweiten Fall hat die Jig-Schiene die Muskulatur in der Nacht so entlastet, dass der Unterkiefer eine (entspanntere) räumliche Lagebeziehung zum Oberkiefer einnehmen kann, die nicht der habituellen Okklusion entspricht. Diese Unterkieferlage gilt es nun in einer Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse zu analysieren, um danach die weitere Vorgehensweise zu entscheiden.

Liegen bei einem Patienten allerdings offensichtlich ausgeprägte Formstörungen vor, zum Beispiel Tiefbiss, Deckbiss, offener Biss, Kreuzbiss, so wird dem Patienten sofort eine kieferorthopädische Behandlung angeraten.

Die Jig-Schiene hilft nicht. Was soll ich tun?

Dienstag, 29. Juni 2010

Zunächst kann es sein, dass die Jig-Schiene fehlerhaft hergestellt wurde und neurophysiologisch nicht als Jig-Schiene funktioniert. Folgende Fehler können bei der Herstellung der Jig-Schiene:

  • Der Jig ist zu niedrig: Bei Seitwärtsbewegungen haben die Seitenzähne Kontakt; Knirschen und Pressen mit hohen Kräften auf diesen Seitenzahnkontakten ist möglich.
  • Der Jig ist zu kurz: Der Unterkiefer kann nach dorsal vom Jig abrutschen. Der Patient knirscht dann retrusiv über die dorsale Kante des Jigs. Diese Art des Knirschens ist besonders belastend für die Muskulatur und destruktiv für die Kiefergelenke.
  • Der Jig ist seitlich nicht abgerundet, sondern bietet eine Kante, auf der geknirscht werden kann.

Deshalb müssen wir bei Wirkungslosigkeit einer Jig-Schiene als Erstes prüfen, ob solche Konstruktionsfehler vorliegen.

Des Weiteren kann es sein, dass der Patient so stark psychoemotional belastet ist, dass er sogar auf dem Jig knirscht und presst und seine Muskulatur hinreichend überlastet. Bei solchen Patienten sehen wir in der Kontrollsitzung tiefere „Knirschspuren“ im Kunststoff des Jigs „eingraviert“: Eine Probebehandlung mit der Jig-Schiene muss deshalb immer von Stress-Management-Training sowie physiotherapeutischer und/oder osteopathischer Therapie begleitet werden. Auch andere Begleitbehandlungen wie zum Beispiel propriozeptive Therapie mit Einlagesohlen, funktionaloptometrische Übungstherapie, Psychotherapie und psychologische Beratung, Umweltmedizin, Traditionelle Chinesische Medizin und Schmerzmedizin können indiziert sein. Das gleiche gilt für präventive und gesundheitsbildende Beratungen. Fehlen notwendige Begleitmaßnahmen, dann kann dieses Fehlen für die Wirkungslosigkeit der Jig-Schiene verantwortlich sein.

Schließlich: Es ist nicht die Aufgabe einer Jig-Schiene, jeglichen Schmerz zu lindern. Die neurophysiologische Wirkung der Jig-Schiene ist klar: Sie verhindert, dass der Patient in der Nacht mit hohen Kräften knirscht oder  presst. Sind die hohen Kräfte beim nächtlichen Knirschen oder Pressen mit den Zähnen (Bruxismus) verantwortlich oder teilverantwortlich für muskuläre Überlastungen und die damit verbundenen Schmerzen, so werden innerhalb kurzer Zeit (üblicherweise zwischen einer Nacht und sechs Wochen) die Schmerzen werden weniger oder verschwinden ganz.

Die Behandlung mit einer Jig-Schiene ist also eine Probebehandlung: Wenn die Jig-Schiene hilft, können weitere zahnärztliche und/oder kieferorthopädische Untersuchungen und Behandlungen notwendig sein. Wenn die Jig-Schiene nicht hilft, spielen die hohen Bruxismuskräfte keine Rolle: Andere schmerztherapeutische Maßnahmen sind indiziert.