Archiv für die Kategorie ‘Psychologie’

Vorsicht Falle: Zwanghafte Okklusale Vigilanz

Freitag, 13. Oktober 2017

„Herr Doktor, ich habe einen mediotrusiven Surtrusionskontakt am Zahn 47. Bitte schleifen Sie mir den weg. Aber bitte vorsichtig: Es können nur 4 „Mü“ [Mikrometer] sein!“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

diese Aussage einer Kopfschmerzpatientin, die von weither angereist war, ist noch lange nicht das skurrilste Patientenanliegen, das an mich herangetragen wurde. Solche und ähnliche Patientenanliegen scheinen sich zu häufen. Es sind vor allem Patientinnen, die ihre Aufmerksamkeit zwanghaft und dauernd auf ihren Biss lenken. Ich habe dieses Krankheitsbild in meinem Buch „Kraniofaziale Orthopädie“ „Zwanghafte Okklusale Vigilanz“ genannt: Auf der Basis einer zwangsneurotisch veranlagten Persönlichkeitsstruktur (Anarkasmus) prüfen die Betroffenen permanent ihren Biss und nehmen kleinste Vorkontakte als störend und belastend wahr. Dabei wird die normale Ruhelage des Unterkiefers immer wieder verlassen und die Muskulatur wird teilweise mit sehr hohen, überlastenden Kräften aktiviert … Die Patienten recherchieren im Internet, stoßen auf den Begriff „CMD“ und machen für all ihre Beschwerden die Okklusion verantwortlich bzw. den „bösen“ Zahnarzt, der ihnen „den Biss genommen hat“.

Leider muss ich feststellen, dass diese Patienten oft durch uns Zahnärzte selbst für ihren Biss sensibilisiert werden: Wenn wir die Bedeutung der Okklusion durch unser Vorgehen überbetonen, „erzeugen“ wir solche zwanghaften Störungen. Natürlich ist eine störungsfreie Okklusion wichtig. Aber: „Der richtige Biss ist kein Biss!“ Natürlicherweise befindet sich der Unterkiefer nahezu 24 Stunden am Tag in der Ruhelage, in der die Okklusion keine Rolle spielt. Erst wenn durch Muskelaktivität Zahnkontakt entsteht, können störende Okklusion wirksam werden. Und das auch nur bei der besonders hohen Bruxismuskräften. Normale Kaukräfte reichen nicht, um Muskeln und Gelenke innerhalb und außerhalb des Kausystems zu überlasten …

In dem YoutTube-Video „Zwanghafte Okklusale Vigilanz“ bespreche ich dieses Krankheitsbild. Ich nenne die Kriterien, anhand derer ich versuche, die betroffenen Patienten zu erkennen und zahnärztliche Über- und Fehldiagnostik und die entsprechende falsche Therapie zu vermeiden.

Vielleicht haben Sie Lust, meinen YouTube-Kanal „Erich Wühr“zu abonnieren.

Beste Grüße
Ihr Erich Wühr

Video „Bauchatmung – Sekundenschnelle Entspannung für Zwischendurch“

Donnerstag, 05. Januar 2017

 

Liebe Kolleginen und Kollegen,
ich wünsche Ihnen alles Gute für das Neue Jahr.

Meine Tätigkeit an der Hochschule lässt mir in diesem Jahr die Zeit, mich wieder mehr um die Kraniofaziale Orthopädie zu kümmern. Ich werde in diesem Jahr mehr Seminare halten als in den letzten Jahren und das Seminarangebot nach und nach ausbauen – auch mit anderen Referenten. Das Highlight in 2017 wird unser 6. Anwendertreffen in den Poseidongärten auf Ischia (www.giardiniposeidon.it). Es wird von 24. bis zum 29. September stattfinden.

Außerdem habe ich mir vorgenommen, das Medium Video stärker zu nutzen und alle drei Wochen einen neuen Videofilm zu veröffentlichen. Ich werde mit einer Serie von Videos zum Stress-Training beginnen. Unsere Patienten suchen oft vergeblich nach Angeboten, mit deren Hilfe sie den angemessenen Umgang mit Stress lernen können. Ich beginne mit dem Videofilm „Bauchatmung – Sekundenschnelle Entspannung für Zwischendurch“.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Videofilme gefallen. Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion von YouTube. Ich bin für Kritik und Anregungen offen. Schicken Sie die Videos mit Hilfe der Teilenfunktion weiter an befreundete Kolleginnen und Kollegen, wenn Ihnen die Videos gefallen.

Beste Grüße
Ihr Erich Wühr

Was ist psychologische Schmerzdiagnostik und -therapie?

Mittwoch, 24. April 2013

Psychogener Schmerz gehört in die Hände eines erfahrenen Psychosomatikers und/oder psychologischen Psychotherapeuten. Im Artikel Differenzialdiagnostik Schmerz haben wir die Kriterien beschrieben, nach denen wir dem Patienten eine Psychotherapie anraten.

Die Vorgehensweisen und Methoden der psychologischen Schmerzdiagnostik und -therapie sind vielfältig. Besonders wirksame Verfahren sind aus unserer Erfahrung

  • die hypno-systemische Therapie nach Gunther Schmidt,
  • die rational-emotive Therapie nach Albert Ellis und
  • andere kognitive Verhaltenstherapien wie die Schematherapie.

Daneben mag es noch andere wirksame Psychotherapieverfahren geben, mit denen wir aber keine Erfahrung haben.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Was ist psychogener Schmerz?

Sonntag, 30. Januar 2011

Psychogener Schmerz kann primär oder sekundär psychogen sein.

Primär psychogener Schmerz wird durch emotive oder kognitive Dysfunktionen des Gehirns ausgelöst, wie zum Beispiel Psychosen, Neurosen, Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen oder Persönlichkeitsstörungen.

Von sekundär psychogenen Schmerzen sprechen wir, wenn langdauernde nozizeptive und/oder neuropathische Schmerzen den betroffenen Menschen psychisch sehr stark belasten und zu entsprechenden Funktionsstörungen wie zum Beispiel Depressionen führen.

Sowohl Patienten mit primär als auch Patienten mit sekundär psychogenen Schmerz müssen vom Psychotherapeuten bzw. Facharzt für Psychosomatik untersucht und behandelt werden. Zahnärztliche und kieferorthopädische Behandlungen sind  bei diesen Patienten kontraindiziert.

Als Zahnärzte und Kieferorthopäden müssen wir in der Lage sein, solche Patienten differenzialdiagnostisch zu erkennen und der geeigneten Betreuung zuzuweisen. In unserem Artikel Differenzialdiagnostik Schmerz haben wir die Kriterien beschrieben, nach denen wir solche Patienten differenzieren.

Artikel zum Herunterladen: Ergebnisorientierte Beratung und Psychotherapie von Martin Simmel

Mittwoch, 22. September 2010

Bei der Behandlung von Patienten mit Muskel- und Gelenkschmerzen innerhalb und außerhalb des Kausystems ist der Psychologe für uns Zahnärzte und Kieferorthopäden ein wichtiger Netzwerkpartner: Sowohl in der Beratung für Stress-Management und gesundheitsbildende Lebensführung als auch in der Psychotherapie, die für manchen Patienten unbedingt notwendig ist.

Es ist für uns Zahnärzte und Kieferorthopäden oft schwierig, den richtigen Netzwerkpartner zu finden. Zu wenig verstehen wir von der Psychologie. Wir sind einfach nicht dafür ausgebildet worden. Mein Partner Martin Simmel (Diplom-Psychologe) hat deshalb einen Artikel Ergebnisorientierte Beratung und Psychotherapie verfasst, den Sie sich hier herunterladen können. Mit Hilfe dieses Artikels können Sie sich informieren, wie kompetente psychologische Beratung und Psychotherapie aussehen kann. Mit diesem Wissen ausgestattet sollte es Ihnen leichter fallen, kompetente Partner auf diesem Gebiet zu finden. Viel Erfolg!