Archiv für die Kategorie ‘Schmerz’

Was ist psychologische Schmerzdiagnostik und -therapie?

Mittwoch, 24. April 2013

Psychogener Schmerz gehört in die Hände eines erfahrenen Psychosomatikers und/oder psychologischen Psychotherapeuten. Im Artikel Differenzialdiagnostik Schmerz haben wir die Kriterien beschrieben, nach denen wir dem Patienten eine Psychotherapie anraten.

Die Vorgehensweisen und Methoden der psychologischen Schmerzdiagnostik und -therapie sind vielfältig. Besonders wirksame Verfahren sind aus unserer Erfahrung

  • die hypno-systemische Therapie nach Gunther Schmidt,
  • die rational-emotive Therapie nach Albert Ellis und
  • andere kognitive Verhaltenstherapien wie die Schematherapie.

Daneben mag es noch andere wirksame Psychotherapieverfahren geben, mit denen wir aber keine Erfahrung haben.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Was ist Schmerzmedizin?

Mittwoch, 03. April 2013

Die Schmerzmedizin beschäftigt sich mit der Erforschung, Diagnostik und Therapie nozizeptiver, neuropathischer und psychogener Schmerzzustände. Ärzte – meist Neurologen oder Anästhesisten – können durch entsprechende Fortbildung die Zusatzbezeichnung Schmerzmedizin erwerben.

Die therapeutischen Möglichkeiten der Schmerzmedizin sind vielfältig: Sie reichen von medikamentöser Therapie bis zur Akupunktur und psychologischen Schmerztherapie. Eine Schmerztherapie wird in der Regel multimodal durchgeführt, das heißt: Mehrere geeignete Verfahren kommen gleichzeitig zur Anwendung.

Vertiefende Informationen erhalten Sie auf der Website der Deutschen Akademie für Ganzheitliche Schmerztherapie e.V. (DAGST).

Ein sehr empfehlenswertes Buch für Zahnärzte und Kieferorthopäden ist das Buch: Okeson JP (2005). Bell’s Orofacial Pains. 6th Edition. Chicago: Quintessenz – allerdings in englischer Sprache. Ein empfehlenswertes allgemeines Lehrbuch ist: Bernateck M et al (2012). Schmerzmedizin – 1000 Fragen. Stuttgart: Thieme

Wir schicken vor allem Patienten mit neuropathischen Schmerzen zum Schmerzmediziner. Wir erkennen diese Patienten an folgenden Kriertien:

  • Anamnestisch liegen eine Verletzung, eine Stoffwechselerkrankung (z.B. Diabetes), eine virale Erkrankung (z.B. Herpes zoster) oder eine degenerative Nervenerkrankung (z.B. Multiple Sklerose) vor.
  • Klinisch berichtet der Patient über Missempfindungen wie Brennen, Kribbeln oder Parästhesien.

Vorsicht: Bei diesen Patienten finden wir natürlich „CMD“ (Craniomandibuläre Dysfunktionen) – aber wir sind nicht zuständig. Eine CMD-Behandlung ist nicht angezeigt.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

DAGST-Seminar in Berlin: Schmerzmanagement in der Zahnarztpraxis

Montag, 11. März 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute darf ich Sie auf ein besonderes Seminar aufmerksam machen: Die Deutsche Akademie für Ganzheitliche Schmerztherapie (DAGST) veranstaltet im Juni ein Seminar in Berlin für Zahnärzte. Es geht um die Diagnostik, Prophylaxe und Therapie von Schmerzen unter ganzheitlichen Gesichtspunkten. Die Referenten sind Alexander Philipp (Anästhesist, spezielle Schmerztherapie, Akupunktur und Naturheilverfahren) und Hardy Gaus (Zahnarzt, Akupunktur, TCM und Naturheilverfahren). Diese Namen garantieren für praxisnahe und erfolgreiche Konzepte und Methoden in der Schmerz-Zahnmedizin.

Hier können Sie sich vertiefende Informationen zum Seminar herunterladen.

Viel Erfolg und herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Schmerzseminar mit Hardy Gaus im September in Tübingen

Mittwoch, 08. August 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich mache Sie heute aufmerksam auf das Seminar „Schmerzmanagement in der Zahnarztpraxis“, das die Deutsche Gesellschaft für Ganzheitliche Schmerztherapie (DAGST) am 22. und 23. September in Tübungen veranstalten wird.

Seminarleiter wird Hardy Gaus sein, der in meinem Buch Kranionfaziale Orthopädie das Kapitel über Schmerzmedizin geschrieben hat. Ich kenne ihn seit Jahren als sehr teilnehmerorientierten Referenten mit einem enormen Wissen über Schmerzmedizin sowohl in der Theorie als auch in der Praxis.

Bitte informieren Sie sich hier näher zum Seminar.

Ich kann Ihnen die Teilnahme unbedingt empfehlen.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Was ist myofaszialer Schmerz?

Sonntag, 20. Februar 2011

Der myofasziale Schmerz ist ein nozizeptiver Schmerz im Bindegewebe des muskuloskelettalen Systems – also der oberflächlichen Schicht des Fasziensystems.

Klinisch stellt sich der myofasziale Schmerz als spontanschmerzhafte Muskelverhärtung bzw. Mikrokontraktur eines Muskels dar, die sich bei Druck entweder verschlimmert oder verbessert. Eine solche Muskelverhärtung (manchmal auch Myogelose genannt) wird als myofaszialer Triggerpunkt bezeichnet. Jeder Triggerpunkt hat seine eigene Schmerztopografie von ausstrahlenden oder projizierten Muskel- und Gelenkschmerzen. Deshalb können wir anhand der vom Patienten angezeigten Schmerzlokalisation die infrage kommenden Schmerztopografien und damit die infrage kommenden Muskeln identifizieren. Diese Schmerztopografien sind in den Bücher und auf der Wandtafel von Travell und Simons beschrieben.

Durch Palpation dieser Muskeln können wir dann die myofaszialen Triggerpunkte auffinden und symptomatisch behandeln. Zum Beispiel mit Akupunktur, Neuraltherapie oder manuellen Techniken. In unserer Praxis hat sich die Matrix-Rhythmus-Therapie nach Dr. Ulrich Randoll  als die wirkungsvollste Therapie zur Behandlung von myofaszialen Triggerpunkten erwiesen.

Pathohistologisch gesehen ist der myofasziale Troggerpunkt eine chronische Entzündung im Bindegewebe des betroffenen Muskels mit Azidose, Mikrozirkulationsstörung und Stoffwechselstarre. Von grundlegender Bedeutung ist deshalb die Frage, durch welche belastenden Lebensbedingungen diese chronische Entzündung entstanden ist. Vier Kategorien von belastenden Lebensbedingungen kommen infrage: Mechanische, (bio-)chemische, psychische und physiologische  Belastungen. Diese Belastungen müssen anamnestisch und durch Untersuchungen aufgefunden werden. Nur wenn die Belastungen dauerhaft eliminiert werden, können die Schmerzen nachhaltig gelindert werden. Weil die meisten und wichtigsten Belastungen durch den Lebensstil des Patienten selbst verursacht sind, ist die Eigeninititaive des Patienten gefordert und unbedingt notwendig zur erfolgreichen Behandlung von myofaszialen Schmerzen.

Was ist psychogener Schmerz?

Sonntag, 30. Januar 2011

Psychogener Schmerz kann primär oder sekundär psychogen sein.

Primär psychogener Schmerz wird durch emotive oder kognitive Dysfunktionen des Gehirns ausgelöst, wie zum Beispiel Psychosen, Neurosen, Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen oder Persönlichkeitsstörungen.

Von sekundär psychogenen Schmerzen sprechen wir, wenn langdauernde nozizeptive und/oder neuropathische Schmerzen den betroffenen Menschen psychisch sehr stark belasten und zu entsprechenden Funktionsstörungen wie zum Beispiel Depressionen führen.

Sowohl Patienten mit primär als auch Patienten mit sekundär psychogenen Schmerz müssen vom Psychotherapeuten bzw. Facharzt für Psychosomatik untersucht und behandelt werden. Zahnärztliche und kieferorthopädische Behandlungen sind  bei diesen Patienten kontraindiziert.

Als Zahnärzte und Kieferorthopäden müssen wir in der Lage sein, solche Patienten differenzialdiagnostisch zu erkennen und der geeigneten Betreuung zuzuweisen. In unserem Artikel Differenzialdiagnostik Schmerz haben wir die Kriterien beschrieben, nach denen wir solche Patienten differenzieren.

Was ist neuropathischer Schmerz?

Sonntag, 09. Januar 2011

Beim neuropathischen Schmerz (Neuralgie) ist der betroffene periphere Nerv aufgrund von Verletzung, thermischer, mechanischer und/oder chemischer Belastungen, Nerventzündung (Neuritis), Sensibilisierung und neuroplastischen Veränderungen in seiner Form und Funktion geschädigt bzw. gestört und selbst der Auslöser der Schmerzwahrnehmung.

Wir können ihn mit Hilfe folgender Kriterien diagnostizieren:

  • Anamnestisch liegen eine Verletzung, eine Stoffwechselerkrankung (z.B. Diabetes), eine virale Erkrankung (z.B. Herpes zoster) oder eine degenerative Nervenerkrankung (z.B. Multiple Sklerose) vor.
  • Klinisch berichtet der Patient über Missempfindungen wie Brennen, Kribbeln oder Parästhesien.

Bei neuropathischem Schmerz sind wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden primär nicht zuständig. Diese Schmerzart gehört in neurologische bzw. schmerzmedizinische Behandlung.

Was ist nozizeptiver Schmerz?

Donnerstag, 09. Dezember 2010

Beim nozizeptiven Schmerz unterscheiden wir zwischen akuten und chronischen nozizeptiven Schmerzen:

  • Akuter Schmerz entsteht aufgrund einer episodischen Gewebeschädigung durch eine Noxe (= Schmerzreiz) und der entsprechenden Reizung der Nozizeptoren des verletzten Bindegewebsbereichs. Dieser Schmerz ist ein Warnsignal für das betroffene Individuum und damit funktionell sinnvoll und lebenserhaltend. Akute nozizeptive Schmerzen im Kraniomandibulären System können wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden lokal behandeln, indem wir die Noxe eliminieren (sofern sie uns noch zugänglich ist) und die lokale Form und Funktion wieder herstellen bzw. deren selbstregulatorische Regeneration fördern.
  • Der chronische Schmerz entsteht nicht aufgrund einer einzigen akuten Belastung, sondern aufgrund vielfältiger belastender Lebensbedingungen, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln und schließlich nicht mehr adaptiert und kompensiert werden können. Der chronische Schmerz ist dysfunktionell und wird zur eigenständigen Erkrankung mit dauerhafter Einschränkung der Lebensqualität des betroffenen Menschen. Den chronisch nozizeptiven Schmerz können wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden in unserem interdisziplinären Netzwerk zusammen mit anderen Ärzten und Therapeuten behandeln. Wir sind dabei für die Eliminierung belastender Lebensbedingungen  aus dem Kraniomandibulären System (vor allem Bruxismus) und der Wiederherstellung von Form und Funktion des Kraniomandibulären Systems zuständig.

Pathohistochemisch gesehen ist nozizeptiver Schmerz eine akute bzw. chronische Entzündung im Bindegewebe aufgrund physikalischer, chemischer und neurogener bzw. physiologischer Noxen, die die Nozizeptoren (Schmerzrezeptoren) reizen. Diese Reize werden über periphere Nerven an das zentrale Nervensystem weitergeleitet, wo der betroffene Mensch sie emotiv und kognitiv als schmerzhaft erlebt.

Was ist Schmerz?

Donnerstag, 18. November 2010

In Anlehnung an die Definition der International Association for the Study of Pain definieren wir in der Kraniofazialen Orthopädie Schmerz als eine unangenehme, die Lebensqualität beeinträchtigende sensorische und emotionale Erfahrung, die mit einer aktuellen oder potenziellen Gewebeschädigung einhergeht oder mit den Begriffen einer solchen Gewebeschädigung beschrieben wird.

Aus systemischer Sicht können wir ergänzen: Schmerz ist das subjektive kognitive und emotive Erleben einer Form- und Funktionsstörung des eigenen Systems als Ausdruck seiner aktuellen und biografischen Selbstregulation unter seinen aktuellen und biografischen belastenden inneren und äußeren Lebensbedingungen.

Aufgrund verschiedener neurophysiologischer Schmerzmechanismen unterscheiden wir drei Schmerzarten, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen:

  • Akuten und chronischen nozizeptiven Schmerz,
  • neuropathischen Schmerz (auch chronisch) und
  • primär und sekundäre psychogenen Schmerz.

In der zahnärztlichen und kieferorthopädischen Praxis ist es wichtig, dass wir diese Schmerzarten differenzieren können: Nur für akuten und chronischen nozizeptiven Schmerz sind wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden zuständig. Neuropathischer Schmerz braucht Behandlungen durch den Neurologen bzw. den Schmerzmediziner; psychogener Schmerz eine psychologische Schmerztherapie.

Demnächst werden wir auf diesem Weblog auf jede einzelne dieser Schmerzarten eingehen und beschreiben … Schon heute können Sie sich in unserem Artikel Differenzialdiagnostik Schmerz informieren.