Archiv für Juni 2010

Die Jig-Schiene hilft nicht. Was soll ich tun?

Dienstag, 29. Juni 2010

Zunächst kann es sein, dass die Jig-Schiene fehlerhaft hergestellt wurde und neurophysiologisch nicht als Jig-Schiene funktioniert. Folgende Fehler können bei der Herstellung der Jig-Schiene:

  • Der Jig ist zu niedrig: Bei Seitwärtsbewegungen haben die Seitenzähne Kontakt; Knirschen und Pressen mit hohen Kräften auf diesen Seitenzahnkontakten ist möglich.
  • Der Jig ist zu kurz: Der Unterkiefer kann nach dorsal vom Jig abrutschen. Der Patient knirscht dann retrusiv über die dorsale Kante des Jigs. Diese Art des Knirschens ist besonders belastend für die Muskulatur und destruktiv für die Kiefergelenke.
  • Der Jig ist seitlich nicht abgerundet, sondern bietet eine Kante, auf der geknirscht werden kann.

Deshalb müssen wir bei Wirkungslosigkeit einer Jig-Schiene als Erstes prüfen, ob solche Konstruktionsfehler vorliegen.

Des Weiteren kann es sein, dass der Patient so stark psychoemotional belastet ist, dass er sogar auf dem Jig knirscht und presst und seine Muskulatur hinreichend überlastet. Bei solchen Patienten sehen wir in der Kontrollsitzung tiefere „Knirschspuren“ im Kunststoff des Jigs „eingraviert“: Eine Probebehandlung mit der Jig-Schiene muss deshalb immer von Stress-Management-Training sowie physiotherapeutischer und/oder osteopathischer Therapie begleitet werden. Auch andere Begleitbehandlungen wie zum Beispiel propriozeptive Therapie mit Einlagesohlen, funktionaloptometrische Übungstherapie, Psychotherapie und psychologische Beratung, Umweltmedizin, Traditionelle Chinesische Medizin und Schmerzmedizin können indiziert sein. Das gleiche gilt für präventive und gesundheitsbildende Beratungen. Fehlen notwendige Begleitmaßnahmen, dann kann dieses Fehlen für die Wirkungslosigkeit der Jig-Schiene verantwortlich sein.

Schließlich: Es ist nicht die Aufgabe einer Jig-Schiene, jeglichen Schmerz zu lindern. Die neurophysiologische Wirkung der Jig-Schiene ist klar: Sie verhindert, dass der Patient in der Nacht mit hohen Kräften knirscht oder  presst. Sind die hohen Kräfte beim nächtlichen Knirschen oder Pressen mit den Zähnen (Bruxismus) verantwortlich oder teilverantwortlich für muskuläre Überlastungen und die damit verbundenen Schmerzen, so werden innerhalb kurzer Zeit (üblicherweise zwischen einer Nacht und sechs Wochen) die Schmerzen werden weniger oder verschwinden ganz.

Die Behandlung mit einer Jig-Schiene ist also eine Probebehandlung: Wenn die Jig-Schiene hilft, können weitere zahnärztliche und/oder kieferorthopädische Untersuchungen und Behandlungen notwendig sein. Wenn die Jig-Schiene nicht hilft, spielen die hohen Bruxismuskräfte keine Rolle: Andere schmerztherapeutische Maßnahmen sind indiziert.

Was ist eine Jig-Schiene?

Dienstag, 22. Juni 2010

Eine Jig-Schiene ist eine Oberkieferschiene. Ihr funktionelles Element ist ein Aufbisstisch aus Kunststoff (= Jig!) auf Höhe der Schneidekante der oberen mittleren Schneidezähne. Auf dem Jig haben nur die unteren Frontzähne Kontakt. Alle anderen Zähne sind diskludiert.

Hier können Sie sich einen Video-Vortrag zur Herstellung der Jig-Schiene herunterladen.

Neurophysiologische Wirkung der Jig-Schiene

Wenn der Trigeminusnerv spürt, dass nur die unteren Frontzähne Kontakt haben, dann verringert er die Kraftentfaltung der Kaumuskulatur auf ein bis drei Kilopond. Soviel Kraft brauchen wir, um zum Beispiel von einem Apfel oder einem Stück Brot abzubeißen. Die hohen Kräfte, wie sie bei der Stress-Aktivierung der Kaumuskulatur in Form von Bruxismus auftreten, können nicht entstehen.

Dieses Phänomen nutzt die Jig-Schiene: Nur die unteren Frontzähne haben Kontakt mit dem Jig. Wenn der Patient nachts eine Jig-Schiene trägt, kann er beim Knirschen und Pressen keine hohen Kräfte mehr entfalten. Wenn diese hohen Kräfte verantwortlich oder mitverantwortlich für Muskel- und Gelenkschmerzen (innerhalb und außerhalb des Kausystems) des Patienten waren, werden sie durch das nächtliche Tragen der Jig-Schiene gelindert werden oder sogar ganz verschwinden.

Hier können Sie sich einen Video-Vortrag zur Theorie der Krafteinleitung herunterladen.

Was sind Okklusionsstörungen?

Dienstag, 15. Juni 2010

Okklusionsstörungen sind Formstörungen des Kraniomandibulären Systems. Sie entstehen aufgrund von

  • Zahnfehlstellungen
  • Dysgnathien
  • Zahnformanomalien
  • Zahnzahlanomalien
  • iatrogen durch restaurative und/oder prothetische Maßnahmen
  • iatrogen durch kieferorthopädische Maßnahmen
  • iatrogen durch chirurgische Maßnahmen

Das Gesetz der Komplementarität von Form und Funktion

Form und Funktion von biologischen Systemen und ihren Teilsystemen bestimmen einander:  Die Form eines Systems bestimmt seine Funktion unmittelbar; die Funktionen eines Systems nimmt langfristig Einfluss auf seine Form und verändert sie. Deshalb: Formstörungen beeinträchtigen unmittelbar die Funktion und bewirken Funktionsstörungen. Und: Funktionsstörungen verändern mit der Zeit die Form und führen zu Formstörungen.

Dies gilt auch für das Kraniomandibuläre System: Okklusionsstörungen sind Formstörungen des Kraniomandibulären Systems, die unmittelbar seine Funktionen stören. Diese Funktionen sind Kauen, Schlucken, Sprechen, Atmen sowie Knirschen und Pressen. Bei den Funktionen Kauen, Schlucken, Sprechen und Atmen wirken so geringe Muskelkräfte, dass die entsprechenden funktionellen Belastungen innerhalb und außerhalb des Kausystems in der Regel leicht kompensiert werden können und nicht zu Symptomen führen. Beim Knirschen und Pressen (Bruxismus) entstehen allerdings so hohe Kräfte, dass die beteiligten Gewebe innerhalb und außerhalb des Kausystems schmerzhaft werden können.

Für unsere praktische Arbeit bedeutet dies:

  • Form und Funktion des Kraniomandibulären Systems können nicht getrennt voneinander untersucht und behandelt werden.
  • Und: Okklusionsstörungen sind für sich gesehen noch nicht behandlungswürdig. Erst wenn hohe Muskelkräfte beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen einwirken, können die beteiligten Gewebe innerhalb und außerhalb des Kausystems überlastet und schmerzhaft werden.

Was ist Kraniofaziale Orthopädie?

Dienstag, 08. Juni 2010

Die Kraniofaziale Orthopädie ist ein interdisziplinäres Konzept für die Diagnostik und Therapie von Patienten mit Muskel- und Gelenkschmerzen innerhalb und außerhalb des Kausystems.

Dies sind vor allem: Kaumuskel- und Kiefergelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Migräne, Nacken-Schulter-Arm-Schmerzen (HWS-Syndrom), Rückenschmerzen, Tinnitus und Schwindel.

Mit diesen Beschwerden kommen die Patienten zum Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden und fragen: „Haben meine Schmerzen [oder: Beschwerden] etwas mit meinen schiefen Zähnen [oder: meinem falschen Biss] zu tun?“

Diese Frage ist nicht nur bei Muskel- und Gelenkschmerzen innerhalb des Kausystems berechtigt, sondern auch bei Schmerzen außerhalb des Kausystems. Warum? Wegen des Phänomens Bruxismus. Beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen können extrem hohe Kräfte entstehen, die die Muskeln und Gelenk enorm belasten. Kräfte, die sonst im Leben eines Menschen in dieser Größenordnung normalerweise nicht vorkommen: 200 bis 300 kp sind gemessen worden. Diese Kräfte wirken besonders belastend auf unseren gesamten Muskel- und Gelenkapparat, wenn Okklusionsstörungen vorliegen.

Die Kraniofaziale Orthopädie ist ein interdisziplinäres Konzept, mit dessen Hilfe Zahnärzte und Kieferorthopäden solche Patientenprobleme lösen können.  Hier ist das Konzept Schritt für Schritt erklärt.

Neues zur Kraniofazialen Orthopädie!

Dienstag, 01. Juni 2010

Auf diesem Weblog veröffentlichen wir regelmäßig Neuigkeiten zur Kraniofazialen Orthopädie:

  • Antworten auf Fragen, wie zum Beispiel: Was ist …?
    Oder: Wie entscheide ich bei …?
  • Lösungen für Probleme aus der täglichen Praxis, wie zum Beispiel:
    Was soll ich tun bei …?
  • neue Artikel
  • neue Video-Vorträge

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