Archiv für Juli 2010

Was ist CMD?

Dienstag, 13. Juli 2010

Im Amerikanischen bedeutet CMD Craniomandibular Disorder (übersetzt: Kraniomandibuläre Störung). Um die Abkürzung CMD auch im Deutschen beizubehalten, ist CMD mit Craniomandibulärer Dysfunktion übersetzt worden. Aber Vorsicht: Craniomandibular Disorder ist im Amerikanischen wie im Deutschen nur ein Sammelbegriff für Befunde, nämlich Störungen von Form und Funktion des Kraniomandibulären Systems – also im Wesentlichen Okklusionsstörungen (die vordergründige Formstörung) und Bruxismus (die vordergründige Funktionsstörung).

Befunde dürfen wir aber nicht mit Symptomen verwechseln: Symptome sind vielmehr Befunde (Form- und Funktionsstörungen), die vom betroffenen Menschen subjektiv als Beeinträchtigung seiner Lebensqualität wahrgenommen werden. Sie entstehen, wenn die belastenden Lebensbedingungen innerhalb und außerhalb des Kausystems so groß werden, dass seine Form- und Funktionsstörungen nicht mehr adaptiert und kompensiert werden können: Form- und Funktionsstörungen des Kraniomandibulären Systems (= CMD) äußern sich dann als Muskel- und Gelenkschmerzen innerhalb und außerhalb des Kausystems oder als Tinnitus und Schwindel (= Symptome). Eine CMD (= Form- und Funktionsstörung) für sich gesehen ist nicht behandlungswürdig.

Sie halten diese Begriffsklärungen für spitzfindig? Ich meine, dass diese Begriffsklärungen zu wesentlichen praktischen Konsequenzen führen und unser Vorgehen bestimmen sollen:

Nicht die CMD und nicht die Symptome stehen im Vordergrund, sondern die belastenden Rahmenbedingungen, die zur CMD und zu den Symptomen geführt haben und die das adaptive und kompensatorische Potenzial des Kraniomandibulären Systems und seiner Nachbarsysteme überlastet haben.

Zu sehr haben die klassische Gnathologie und die traditionelle Funktionsdiagnostik und -therapie auf Okklusion und Kiefergelenk fokussiert – mit mäßigem Erfolg und oftmals viel Frust für Behandler und Patienten. Erst in den letzten Jahren rücken die Rahmenbedingungen sowie die Mechanismen der Adaptation und Kompensation innerhalb und außerhalb des Kausystems in den Vordergrund. Die Kraniofaziale Orthopädie beschreibt  diese Zusammenhänge theoretisch und setzt sie praktisch um.

Die Jig-Schiene hat geholfen. Was soll ich tun?

Dienstag, 06. Juli 2010

Wenn die Jig-Schiene die Schmerzen des Patienten lindert, dann ist der Nachweis erbracht: Die muskulären Überlastungen durch die hohen Kräfte beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen sind für die Schmerzen verantwortlich oder mitverantwortlich. Die Fortsetzung des Stress-Management-Trainings ist als grundlegende Vorgehensweise indiziert.

Des Weiteren stellt sich die Frage, ob zusätzlicher zahnärztlicher Handlungsbedarf besteht. Dazu fragen wir den Patienten, ob morgens, wenn er die Jig-Schiene herausnimmt, seine Zähne sofort aufeinanderpassen oder ob er für einige Minuten das Gefühl hat, keinen Biss zu finden:

  • Findet der Patient nach dem Herausnehmen seiner Jig-Schiene sofort seinen habituellen Biss, so liegt in Bezug auf Bruxismus kein weiterer zahnärztlicher Handlungsbedarf vor.
  • Findet der Patient nach dem Herausnehmen seiner Jig-Schiene nicht sofort seinen habituellen Biss, so besteht weiterer zahnärztlicher Handlungsbedarf.

Im zweiten Fall hat die Jig-Schiene die Muskulatur in der Nacht so entlastet, dass der Unterkiefer eine (entspanntere) räumliche Lagebeziehung zum Oberkiefer einnehmen kann, die nicht der habituellen Okklusion entspricht. Diese Unterkieferlage gilt es nun in einer Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse zu analysieren, um danach die weitere Vorgehensweise zu entscheiden.

Liegen bei einem Patienten allerdings offensichtlich ausgeprägte Formstörungen vor, zum Beispiel Tiefbiss, Deckbiss, offener Biss, Kreuzbiss, so wird dem Patienten sofort eine kieferorthopädische Behandlung angeraten.