Archiv für Dezember 2010

Von Erich Wühr an alle Abonnenten

Montag, 20. Dezember 2010

Ich bedanke mich für Ihr Interesse an unseren kleinen Artikeln und wünsche Ihnen allen besinnliche Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr.

Alles Gute
Ihr Erich Wühr

Was ist nozizeptiver Schmerz?

Donnerstag, 09. Dezember 2010

Beim nozizeptiven Schmerz unterscheiden wir zwischen akuten und chronischen nozizeptiven Schmerzen:

  • Akuter Schmerz entsteht aufgrund einer episodischen Gewebeschädigung durch eine Noxe (= Schmerzreiz) und der entsprechenden Reizung der Nozizeptoren des verletzten Bindegewebsbereichs. Dieser Schmerz ist ein Warnsignal für das betroffene Individuum und damit funktionell sinnvoll und lebenserhaltend. Akute nozizeptive Schmerzen im Kraniomandibulären System können wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden lokal behandeln, indem wir die Noxe eliminieren (sofern sie uns noch zugänglich ist) und die lokale Form und Funktion wieder herstellen bzw. deren selbstregulatorische Regeneration fördern.
  • Der chronische Schmerz entsteht nicht aufgrund einer einzigen akuten Belastung, sondern aufgrund vielfältiger belastender Lebensbedingungen, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln und schließlich nicht mehr adaptiert und kompensiert werden können. Der chronische Schmerz ist dysfunktionell und wird zur eigenständigen Erkrankung mit dauerhafter Einschränkung der Lebensqualität des betroffenen Menschen. Den chronisch nozizeptiven Schmerz können wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden in unserem interdisziplinären Netzwerk zusammen mit anderen Ärzten und Therapeuten behandeln. Wir sind dabei für die Eliminierung belastender Lebensbedingungen  aus dem Kraniomandibulären System (vor allem Bruxismus) und der Wiederherstellung von Form und Funktion des Kraniomandibulären Systems zuständig.

Pathohistochemisch gesehen ist nozizeptiver Schmerz eine akute bzw. chronische Entzündung im Bindegewebe aufgrund physikalischer, chemischer und neurogener bzw. physiologischer Noxen, die die Nozizeptoren (Schmerzrezeptoren) reizen. Diese Reize werden über periphere Nerven an das zentrale Nervensystem weitergeleitet, wo der betroffene Mensch sie emotiv und kognitiv als schmerzhaft erlebt.