Archiv für November 2011

Seminare „Kraniofaziale Orthopädie“ in 2012

Mittwoch, 30. November 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Nachfrage nach unseren Seminaren zur Kraniofazialen Orthopädie nimmt erfreulicher Weise immer mehr zu. So haben ich mich entschlossen, das 2-Tages-Seminar in 2012 fünfmal abzuhalten – in Bad Kötzting, Nürnberg, Herne, München und Würzburg.

Dieses 2-Tages-Seminar ist das erste Seminar des fünfteiligen Curriculums „Kraniofaziale Orthopädie“, und ich empfehle Ihnen, zunächst das 2-Tages-Seminar zu besuchen und erst  danach zu entscheiden, ob Sie weitermachen wollen.

Die Teilnehmer des Seminars erhalten 18 Fortbildungspunkte und werden auf unseren Websites in die Zahnarzt-/Therapeuten-Suchliste aufgenommen: siehe http://www.falscher-biss-macht-schmerzen.de/adressen.php

Hier können Sie sich näher über das Seminar und die Seminarreihe informieren: http://kraniofaziale-orthopaedie.de/seminar.php

Oder Sie rufen mich an, wenn Sie Fragen haben: 09941-1706

Ich freue mich, wenn wir uns im Seminar treffen.
Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Therapie: Eliminierung belastender funktioneller und belastender externer Kräfte

Dienstag, 29. November 2011

Wir erinnern uns:

Die regulative, regenerative, adaptative und kompensatorische Kapazität der Bindegewebe der Kiefergelenke ist groß: Auch bei ausgeprägten Gewebeveränderungen können die Gelenke hinreichend und symptomfrei funktionieren. Das bedeutet, dass nicht jede strukturelle und funktionelle Störung in den Kiefergelenken behandelt werden muss. Wenn wir uns aufgrund eines Patientenanliegens, rezidivierender  Kieferklemme oder Kiefersperre, vor umfangreichen restaurativen und/oder prothetischen Sanierungen oder bei Muskel- und Gelenkschmerzen dazu entschließen, Form- und Funktionsstörungen der Kiefergelenke zu behandeln, dann müssen wir zuallererst belastende funktionelle und belastende externe Kräfte mit Hilfe der klinischen, instrumentellen und bildgebenden Form- und Funktionsanalyse sowie der Haltungs- und Bewegungsanalyse identifizieren und eliminieren. Die Eliminierung der Belastungen ist unbedingt notwendig, um Form und Funktion der Kiefergelenke nachhaltig wiederherzustellen.

Eliminierung belastender funktioneller Kräfte

Wir erachten von allen funktionellen Kräften im kraniomandibulären System nur die Kräfte, die beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen (Bruxismus) auftreten, als potenziell belastend für die Kiefergelenke. Um diese enorm hohen Kräfte (bis zu 300 kp sind im Bereich der Okklusion gemessen worden) zu vermeiden, nutzen wir den Reflex, dass der N. trigeminus die Kraftentfaltung in der Kaumuskulatur auf 1 bis 3 kp reduziert, wenn nur die unteren Frontzähne Kontakt haben. Wir tun dies mit einer so genannten Jig-Schiene. Grundlegend zur Vermeidung hoher Kräfte beim Bruxismus ist allerdings der angemessene Umgang mit Stress. Deshalb absolvieren unsere Patienten begleitend zur Jig-Schienen-Therapie ein Stress-Management-Training bei unserem Psychologen oder in eigener Verantwortung ein Entspannungstraining.

Eliminierung belastender externer Kräfte

Belastende externe Kräfte sind dysfunktionelle Kräfte, die aus dem Fasziensystem auf die Kiefergelenke wirken. Sie werden von den Orthopäden, Physiotherapeuten, Osteopathen und anderen Experten in unserem interdisziplinären Netzwerk eliminiert, indem sie Körperfehlhaltungen und Beweglichkeitseinschränkungen behandeln. Besonders bewährt hat sich dabei in unseren Händen die Matrix-Rhythmus-Therapie. Sie behandelt Prozessstörungen auf zellbiologischer Ebene (akute und chronische Entzündungen) und stellt Form und Funktion belasteter Bindegewebsbereiche wieder her.

Zusätzlich muss bei vielen Patienten die Gleichgewichtsregulation durch optometrische Maßnahmen (Augenmuskelübungen und Prismenbrillen) und durch propriozeptive Einlagesohlen verbessert werden.

Alle diese Maßnahmen zur Normalisierung der externen Kräfte, die auf die Kiefergelenke wirken, führen in der Regel dazu, dass die Schläfenbeine ihre Position innerhalb des Gefüges der Schädelknochen ebenso verändern wie der Unterkiefer seine relative Lage zum Oberkiefer. In der Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse in einen Artikulator sehen wir dann eine Abweichung der vorbehandelten Unterkieferposition von der habituellen Interkuspidation, die mehrere Millimeter betragen kann. Diese Unterkieferlage muss durch eine Aufbissschiene oder andere Maßnahmen (restaurativ, prothetisch, kieferorthopädisch, Einschleifen) dauerhaft stabilisiert werden.

Unsere Ausgangsfrage war: Was müssen wir als Praktiker über das Kiefergelenk wissen? Hier meine Antwort darauf: In der Therapie ist die dauerhafte Eliminierung belastender externer und funktioneller Kräfte unbedingte Voraussetzung dafür, dass daran anschließend Form und Funktion der Kiefergelenke wiederhergestellt werden können. Letzteres werde ich im nächsten und abschließenden Post unserer Weblog-Serie über die Kiefergelenke beschreiben.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Identifizierung belastender externer Kräfte

Dienstag, 15. November 2011

Externe Kräfte, die auf die Strukturen der Kiefergelenke wirken, nennen wir diejenigen Kräfte, die mit ihren eigentlichen Bewegungsfunktionen nichts zu tun haben. Sie wirken sich auf die räumliche Lage des Unterkiefers und der beiden Schläfenbeine aus sowie auf die Lagebeziehung dieser drei Knochen zueinander: Auf die Schläfenbeine wirken muskuläre, ligamentäre und durale Kräfte. Auf den Unterkiefer wirken die Kräfte der ansetzenden Muskeln: Kaumuskeln sowie supra- und infrahyoidale Muskeln. Insgesamt können wir sagen, dass die Kiefergelenke Teile des Fasziensystems sind und sich Kräfte aus dem Fasziensystem auf die Kiefergelenke übertragen.

Dysfunktionelle Kräfte im Fasziensystem äußern sich als Köperfehlhaltungen (Formstörungen) und Beweglichkeitseinschränkungen (Funktionsstörungen). Als Zahnärzte und Kieferorthopäden sollten wir in der Lage sein, mit einfachen Methoden der Haltungs- und Bewegungsanalyse Hinweise auf Form- und Funktionsstörungen des Fasziensystems zu erkennen und vertiefende Untersuchungen (und Behandlungen) bei Orthopäden, Physiotherapeuten oder Osteopathen in unserem interdisziplinären Netzwerk auszulösen. Wir haben in der sogenannten Posturalen Grunduntersuchung solche einfachen Methoden zusammengefasst und in einem Videovortrag dargestellt, den sie sich anschauen können, wenn Sie hier anklicken.

In den beiden letzten Posts unserer Weblogserie über das Kiefergelenk werden wir besprechen, wie wir belastende funktionelle und externe Kräfte eliminieren und anschließend Form und Funktion der Kiefergelenke wiederherstellen können.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

2. Münchner Symposium für Haltungs- und Bewegungssteuerung am 26. November 2011 in München

Donnerstag, 03. November 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

sensorische Afferenzen aus dem Kausystem werden über trigeminozerebellare Projektionen an das Kleinhirn weitergeleitet und gelten gemäß der modernen Forschung als wichtiger Input für die Gleichgewichtsregulation des biologischen Systems Mensch im Schwerkraftfeld der Erde. Das Ergebnis dieser Regulationsprozesse ist die Körperhaltung. Darüber hinaus „mischt“ das Kleinhirn auch bei allen bewusst, unterbewusst oder unbewusst intendierten Bewegungen mit.

Diese Zusammenhänge zu kennen, ist für jeden therapeutisch Tätigen von zentraler Bedeutung, gerade auch für uns Zahnärzte. Deshalb möchte ich heute auf einen interessanten Kongress hinweisen, das

2. Münchner  Symposium für
Haltungs- und Bewegungssteuerung

am 26. November 2011 in München, von 8:30- 17:15 Uhr in der Hochschule für angewandte Wissenschaften

Das Leitthema der Veranstaltung lautet: Körperhaltung ist kein Zufall: Sensomotorik zwischen Soma und Psyche

Veranstalter und Programminformationen: Gesellschaft für Haltungs- und Bewegungsforschung e.V. www.ghbf.de

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Bildgebende Form- und Funktionsanalyse

Mittwoch, 02. November 2011

Als bildgebende Verfahren der Form- und Funktionsanalyse des Kiefergelenks kommen infrage:

  • Orthopantomogramm (mit speziellen Schichtprogrammen)
  • Transkranielle Röntgenaufnahmen, zum Beispiel nach Schüller
  • Tomografien, vor allem Computertomografie
  • Magnetresonanztomografie, einschließlich dynamischer Magnetresonanztomografie

Die bildgebenden Verfahren sind in erster Linie Verfahren der Formanalyse des Kiefergelenks. Nur die dynamische Magnetresonanztomografie kann der Funktionsanalyse dienen. Die Bedeutung der bildgebenden Verfahren wird vielerorts überschätzt. Der Erkenntnisgewinn aus diesen Verfahren und somit ihre Bedeutung für therapeutische Entscheidungen sind in der Regel gering, und so halten wir es nicht für gerechtfertigt, bildgebende Verfahren routinemäßig als Primärdiagnostik einzusetzen. Zumal diese Verfahren oft teuer und, im Falle der Computertomografie, auch mit Strahlenbelastungen behaftet sind: Ihre Kosten-Nutzen-Relation ist meist ebenso ungünstig wie ihre Belastung-Nutzen-Relation.

Wir erachten bildgebende Verfahren zur Formanalyse des Kiefergelenks nur als indiziert zur Differenzialdiagnostik bei Verdacht auf Tumoren und bei Traumata.

Wieder können wir für vertiefende Informationen zu diesem Thema das hervorragende Buch von Bumann und Lotzmann empfehlen: Funktionsdiagnostik und Therapieprinzipien. Farbatlanten der Zahnmedizin 12. Stuttgart: Thieme 2000

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr