Archiv für März 2012

Kongresswoche der DAGST am Gardasee!

Mittwoch, 21. März 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte es nicht versäumen, Sie alle auf den diesjährigen Europäischen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ganzheitliche Schmerztherapie (DAGST) vom 13. bis 18. Mai am Gardasee hinzuweisen. Das Thema des Kongresses ist Kopf – Kiefer – Rücken Die Vertikalachse des Schmerzes. Es werden namhafte Referenten vortragen. Außerdem sind Fallkonferenzen  geplant. Wie immer dürfen wir von der DAGST eine erstklassige Veranstaltung erwarten – und das in einem angenehmen Ambiente …

Hier können Sie das Übersichtsprogramm und das Detailprogramm herunterladen.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Propriozeptiver Input für die Gleichgewichtsregulation

Mittwoch, 14. März 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

von den drei pathogenetischen Wegen, wie sich okklusale Formstörungen belastend auf Muskeln und Gelenke innerhalb und außerhalb des Kausystems auswirken können, habe ich im letzten Weblog-Post den Bruxismus beschrieben. Heute geht es um die Bedeutung der Okklusion für die Gleichgewichtsregulation.

Obwohl die hohen Kräfte beim Bruxismus meiner Meinung nach die wichtigste Rolle spielen, dürfen wir auch die Bedeutung okklusal bedingter Afferenzen für die Gleichgewichtsregulation nicht außer Acht lassen.

Die Gleichgewichtsregulation ist eine Funktion des Kleinhirns (Zerebellum). Ziel ist, das Gleichgewicht des Körpers im Schwerkraftfeld der Erde permanent zu halten. Das Ergebnis der Gleichgewichtsregulation ist also die Körperhaltung.

Dabei funktioniert das Kleinhirn wie Computer: Es bekommt Input (Afferenzen) aus dem Auge (Netzhaut), dem Innenohr (Bogengänge und Schnecke), den Propriozeptoren der Kopfgelenkmuskeln (Tractus cuneocerebellaris), den Propriozeptoren der Muskeln, Ligamente und Gelenkkapseln der gesamten Stützmuskulatur (vor allem der Fußgewölbemuskeln) und aus den Rezeptoren des Kausystems. Letztere melden okklusale Kontakte über trigeminozerebellare Projektionen an das Kleinhirn. Auch propriozeptiver Input aus den Kaumuskeln und aus den Kiefergelenken wird über diese Projektion an das Kleinhirn gemeldet. Das Kleinhirn verrechnet nun all diese Inputs und steuert entsprechend die Stützmuskulatur, wobei diese Steuerungsimpulse auch in alle bewusst und unterbewusst intendierten Bewegungsimpulse des Endhirn eingehen.

Warum geht propriozeptiver Input aus dem Kausystem in die Gleichgewichtregulation ein? Ich habe zwei Vermutungen:

Meine erste Hypothese ist, dass phylogenetisch betrachtet das Kausystem auch Kampf- und Beutefassorgan war. Und diese Funktionen brauchen eine enge Abstimmung mit den anderen Bewegungssystemen, die durch die Verbindungen zum Kleinhirn gewährleistet ist.

Meine zweite Hypothese ist, dass die maximale Interkuspidation beim Schlucken der Gleichgewichtsregulation regelmäßig eine eindeutige kalibrierende Nullposition bietet: Ähnlich einem Industrieroboter, der regelmäßig seine Nullposition einnehmen muss, um eine Anhäufung von Fehlern zu vermeiden, könnte es sein, dass auch das Kleinhirn in der Regulierung des Gleichgewichts eine solche Nullposition braucht. Diese Zusammenhänge würden auch erklären, warum Menschen die Zähne zusammenbeissen, wenn sie größere Kräfte entfalten wollen, zum Beispiel beim Heben schwerer Gegenstände. Mit zusammengebissenen Zähnen ist es leichter, das Gleichgewicht zu halten.

Nach den hohen Kräften beim Knirschen ist dies also der zweite pathogenetische Weg, wie okklusale Formstörungen Muskeln und Gelenke innerhalb und außerhalb des Kausystems belasten und zu myofaszialen Schmerzen führen können: Okklusale Formstörungen können zu Körperfehlhaltungen führen bzw. dazu beitragen und entsprechende Muskel- und Gelenkbelastungen auslösen.

Im nächsten Weblog-Post beschreibe ich den dritten pathogenetischen Weg: Die Zwanghafte okklusale Vigilanz.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

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