Okklusionsstörungen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Okklusionsstörungen sind Formstörungen der Kau- und Führungsflächen von Zähnen. Sie entstehen aufgrund von

  • Zahnfehlstellungen
  • Dysgnathien
  • Zahnformanomalien
  • Zahnzahlanomalien
  • iatrogen durch restaurative und/oder prothetische Maßnahmen
  • iatrogen durch kieferorthopädische Maßnahmen
  • iatrogen durch chirurgische Maßnahmen

Als Formstörungen belasten Okklusionsstörungen unmittelbar die Funktionen des Kraniomandibulären Systems. Diese Funktionen sind Kauen, Schlucken, Sprechen, Atmen sowie Knirschen und Pressen. Bei den Funktionen Kauen, Schlucken, Sprechen und Atmen wirken so geringe Muskelkräfte, dass die entsprechenden funktionellen Belastungen innerhalb und außerhalb des Kausystems in der Regel leicht adaptiert bzw. kompensiert werden können und nicht zu Symptomen führen. Beim Knirschen und Pressen (vor allem nächtlichem Bruxismus) entstehen allerdings so hohe Kräfte, dass die beteiligten Gewebe innerhalb und außerhalb des Kausystems überlastet und schmerzhaft werden können.

Okklusionsstörungen sind also nicht unbedingt und von vornherein behandlungswürdig. Erst wenn hohe Muskelkräfte beim Knirschen und Pressen einwirken, können die beteiligten Gewebe innerhalb und außerhalb des Kausystems überlastet und schmerzhaft werden. Dies ist in der Praxis der wichtigste und häufigste pathogenetische Weg, wie Okklusionsstörungen zu Muskel- und Gelenkschmerzen innerhalb und außerhalb des Kausystem führen können. Darüber hinaus gibt es aber noch zwei weitere Wege:

  • Okklusionsstörungen können die Gleichgewichtsregulation und damit die Körperhaltung negativ beeinflussen.
  • Zwanghafte Patienten können vigilant werden. Das heißt: Sie fokussieren ihre Aufmerksamkeit auf die Okklusion und aktivieren permanent ihre Kaumuskulatur, um ihre Zahnkontakte zu überprüfen. Sie verlernen, die Ruhelage des Unterkiefers einzunehmen. Sie verlernen, dass “der richtige Biss KEIN Biss ist”.

In den nächsten drei Weblog-Posts werde ich diese drei Möglichkeiten beschreiben, wie aus meiner Sicht Okklusionsstörungen zu Muskel- und Gelenkschmerzen führen können:

  • Bruxismus
  • Propriozeptiver Input für die Gleichgewichtsregulation
  • Zwanghafte okklusale Vigilanz

Herzliche Grüße und alles Gute
Ihr Erich Wühr

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5 Antworten zu “Okklusionsstörungen”

  1. Marc Töpert sagt:

    Hallo Erich,
    Okklusionstörungen sind nicht unbedingt eine Formstörung der Zähne .Ein schlecht funktionierendes Gelenk ist auch eine Okklusionstörung, was dann sekundär zu einer Formstörung führt.
    Ich meine ja nur, ich weiss kniefislert
    Marc

  2. Liebe Grüsse!!
    ich finde diese kurzen klaren “erinnerungen” super!!
    Danke für die Mühe die du dir machst
    christine

  3. Berka sagt:

    Liber Erich,
    der Kernsatz der “Richtige Biss ist kein Biss”ist genial!
    Er hilft mir persönlich besonders gut über Hinweise/Beschwerden der Patienten(zwanghaft?!)bezüglich ihres Bisses nachzudenken und diese
    zu katalogisieren.
    Man vergisst zu oft dass Summationen aller Zahnkontakte beim schlucken,Sprechen und Essen mal gerade 25 min von 24 Stunden ausmachen!
    Eure Gedankengänge zum Thema helfen mir immer sehr.
    Mit freundlichen Grüssen aus Waldbröl
    Christian und Alexander Berka

  4. Lieber Erich und Kollegen,
    dass der “Richtige Biss kein Biss ist”, daran werde ich mich gleich festbeissen, denn dafür braucht man den “richtigen Biss”, um allen Kollegen dies nahe zu bringen. Denn: gelernt ist gelernt – es gibt ganz genaue Punkte für den “richtigen Biss” (Dank Okklufolie – jeder denke an seine Unikurse).
    Wie aber lernt der Patient, die verlorene Ruheschwebe(!!!) wieder zu finden, wenn er nicht entspannt? Oder nach Bisserhöhung eine vigilante Tendenz aufbaut und anfängt immer zu beißen?
    Hast Du einen Trick für uns, damit hier Fortschritte erzielbar sind? Für ein Streß-Managementtraining ist meine Patientin nicht sehr offen.
    Ich freue mich aber immer über meine Kursteilnahme und habe Ende Februar zu meinem ersten Zuweiservortrag eingeladen. Vielen Dank Erich und auch Martin für eure bayerischen Winterabendgedanken, liebe Grüße Ronald aus Holzminden

  5. Dr. Erich Wühr sagt:

    Lieber Ronald,
    ich glaube, da führt an Stresstraining nichts vorbei. Voraussetzung ist allerdings die Einsicht des Patienten, dass Stresstraining notwendig ist und dass er es selbst tun muss. Diese Einsicht liegt nicht in unserer Macht. Wir können nur einladen, die Einladung aufrecht erhalten und uns um diejenigen Patienten kümmern, die unsere Einladung annehmen … Es werden immer mehr.
    Liebe Grüße
    Erich Wühr
    Martin Simmel und ich arbeiten gerade an einem Praxiskonzept “Stresstraining”. Wir werden berichten …

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