Mit ‘Jig-Schiene’ getaggte Artikel

Aktueller Stand der Jig-Schienen-Behandlung

Freitag, 05. Januar 2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich wünsche Ihnen Alles Gute und viel Erfolg für das Neue Jahr.

Es ist an der Zeit, ein Statement zum aktuellen Stand der Jig-Schienen-Behandlung abzugeben: Zum Einen kursieren die merkwürdigsten Falschmeldungen zur therapeutischen Wirkung der Jig-Schiene, zum Anderen haben sich aus meinen Erfahrungen der letzten Jahre einige Modifikationen ergeben.

Immer wieder höre ich: „Die Jig-Schiene darf nur für kurze Zeit getragen werden.“ Dies ist unter einer Bedingung falsch: Wenn ein Patient die Jig-Schiene morgens herausnimmt und seine Zähne sofort oder nach kurzer Zeit wie gewohnt aufeinanderpassen, dann haben die Zähne ihre Positionen nicht verlassen. Die Jig-Schiene kann unter dieser Bedingung ein Leben lang getragen werden. Und das sollte sie auch: Denn nächtlicher Bruxismus ist eine normale Funktion des Kausystems. Allerdings habe ich immer darauf hingewiesen, dass nicht die Jig-Schiene die grundlegende Therapie ist, sondern der angemessene Umgang mit Stress. Wenn es dem Patienten durch ein wirkungsvolles Stress-Management gelingt, stressarm oder sogar stressfrei einzuschlafen, dann wird er wahrscheinlich nicht im Schlaf Knirschen oder Pressen oder zumindest nicht so stark. Bitte gliedern Sie nie eine Jig-Schiene ein, ohne dass Sie den Patienten auf diesen Zusammenhang zumindest hinweisen oder sogar die damit verbundene Eigenverantwortung von ihm fordern.

Des Weiteren höre ich: „Die therapeutische Wirkung eines Jigs ist wissenschaftlich nicht erwiesen.“ Abgesehen davon, dass die Wirksamkeit einer Behandlung nicht davon abhängig ist, ob sie wissenschaftlich erforscht ist oder nicht, gibt es genügend Studien, die die Wirkung und die Wirksamkeit der Jig-Schiene zumindest nahelegen und meiner Meinung nach sogar belegen. Machen Sie sich die Mühe, selbst zu recherchieren …

Bezüglich der Modifikationen habe ich einen kurzen Videofilm „Herstellung einer Jig-Schiene“ in meinen YouTube-Kanal hochgeladen.

Beste Grüße
Ihr Erich Wühr

Die Behandlung von Augenmuskelfehlfunktionen

Mittwoch, 09. Januar 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unter den Optometristen herrscht Uneinigkeit: Die Einen bestreiten, dass es möglich ist, durch Übungen Winkelfehlsichtigkeiten zu verbessern. Sie halten Sehhilfen und chirurgische Interventionen für die einzigen Möglichkeiten. Die Anderen versuchen, die Winkelfehlsichtigkeit vordergründig durch Behandlungen und Visualtraining zu verbessern. Ich schließe mich der zweiten Gruppe an: Augenmuskeln sind Skelettmuskeln. Sie sind deshalb durch die gleichen Belastungen betroffen wie andere Skelettmuskeln; sie zeigen die gleichen pathohistochemischen Prozesse und sind mit den gleichen Methoden therapierbar.

Wie immer in der Systemischen Medizin müssen wir zunächst belastende Lebensbedingungen identifizieren und eliminieren: mechanische, chemische, psychische und physiologisch-physikalische Belastungen kommen in Frage. Im Vordergrund stehen dabei erfahrungsgemäß psycho-emotionale Belastungen und die hohen mechanischen Kräfte beim Bruxismus.

Die Eliminierung der hohen Kräfte beim nächtlichen Zähneknirschen geschieht natürlich mit einer Jig-Schiene. Das damit immer verbundene Stresstraining sorgt für psycho-emotionale Entlastung. Auch kieferorthopädische Behandlungen wirken sich durch Verbesserung von Form und Funktion des Kausystem entlastend auf die Augenmuskelfunktionen aus. Ich erinnere Sie an das Fallbeispiel „Distalokklusion und AdvanSync“ im letzten Post vor Weihnachten.

Zur Extension von Mikrokontrakturen (chronische Entzündungen) in den Augenmuskeln setzen wir physiotherapeutische Verfahren ein. Unser Mittel der Wahl ist dabei die Matrix-Rhythmus-Therapie. Auch mit Akupunktur können wir die Form und Funktion der Augenmuskeln verbessern.

Natürlich sind die Augenmuskeln Teil des Fasziensystems: Sie stehen in enger funktioneller und struktureller Verbindung mit der duralen Faszienschicht, weil die Augenhöhle durch wichtige Knochen des Schädelgefüges gebildet wird. Ebenso gibt es enge funktionelle Beziehungen zum muskuloskelettalen Teil des Fasziensystems, vor allem zur Halswirbelsäule: Die Bewegungen des Kopfes durch die Hals- und Nackenmuskeln sind funktionell eng mit dem Sehen verbunden. Dies gilt vor allem in Bezug auf den Musculus sternocleidomastoideus. So finden wir nach Schleudertraumata häufig auch Fehlfunktionen der Augenmuskeln. Aus allen diesen Gründen sind osteopathische Behandlungen bei Winkelfehlsichtigkeiten sehr sinnvoll und erfolgversprechend.

Schließlich weise ich nochmal darauf hin, dass ich das Visualtraining bezüglich seiner Wirksamkeit bei Winkelfehlsichtigkeiten sehr hoch einschätze. Allerdings ist es erst dann sinnvoll, wenn individuell vorliegende Belastungen identifiziert und eliminiert sind.

Das Visualtraining ist Thema in unserem nächsten Post.

Bis dahin alles Gute und ein erfolgreiches Neues Jahr
Ihr Erich Wühr

Okklusionstherapie

Mittwoch, 06. Juni 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute komme ich zum Abschluss unserer Weblog-Serie über die Okklusion. Es geht um die verschiedenen Möglichkeiten der Therapie von Okklusionsstörungen. Wie alle therapeutischen Maßnahmen hat sich auch die Okklusionstherapie am Anliegen und an der Ausgangssituation des Patienten zu orientieren. Ich unterscheide:

  • Einfache restaurative Maßnahmen bei myofaszial beschwerdefreien Patienten: Bei diesen Patienten behalte ich das vorliegende gewohnheitsmäßige Okklusionsmuster bei und passe meine restaurative Maßnahme daran an.
  • Komplizierte restaurative bzw. (implantat-)prothetische Maßnahmen bei myofaszial beschwerdefreien Patienten: Bei diesen Patienten orientiere ich mich an den Ergebnisse einer Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse. Die Herstellung der Arbeit in einem Artikulator ist obligat.
  • Komplizierte restaurative bzw. (implantat-)prothetische Maßnahmen bei myofaszial beschwerdefreien Bruxismus-Patienten: Diese Patienten brauchen in der Regel eine Bisshebung. Diese Bisshebung prüfe ich mit Hilfe von Stabilisierungsschienen oder Langzeitprovisorien zwei bis drei Monate. Nur wenn der Patient myofaszial beschwerdefrei bleibt, übernehme ich die Bisshebung in die definitive Versorgung.
  • Feineinstellung der Okklusion bei kieferorthopädischen Behandlungen: Nach Entfernen der Multibracket-Apparatur führe ich bei diesen Patienten eine Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse durch. Die entsprechende zentrische Unterkieferrelation wird im Artikulator durch Setup und im Mund mit Hilfe eines entsprechenden Elasto-Positioners auf die zentrische Okklusion übertragen.
  • Feineinschleifen der Okklusion nach umfangreichen restaurativen oder (implantat-)prothetischen Behandlungen: Patienten mit umfangreichen restaurativen oder (implantat-)prothetischen Arbeiten werden abschließend mit einer Jig-Schiene versorgt, um auch weiterhin hohe Kräfte bei Bruxismus zu vermeiden. Dadurch werden Muskeln und Gelenke vor Überlastung ebenso geschützt wie die restaurative bzw. prothetische Arbeit vor Bruch oder Chipping. Dann führe ich morgendliche Einschleifsitzungen durch: Der Patient hat dabei die ganze Nacht seine Jig-Schiene getragen und sie im Mund belassen. So kann ich bei bestmöglich entspannter Muskulatur feine Einschleifkorrekturen vornehmen. Diese Einschleifsitzungen wiederhole ich in mehrwöchigen Abständen, bis der Patient angibt, dass er seinen Biss sofort einnehmen kann, wenn er morgens die Jig-Schiene herausnimmt.
  • Einfache und komplizierte restaurative bzw. (implantat-)prothetische Maßnahmen bei myofaszialen Schmerzpatienten: Diese Patienten behandle ich nach dem Konzept der Kraniofazialen Orthopädie. Eine Okklusionstherapie erfolgt in der oben beschriebenen Art und Weise, aber erst, wenn die Patienten beschwerdefrei sind.

Ziel aller Okklusionstherapien ist eine zentrische Okklusion: In der zentrischen Unterkieferposition sollen Ober- und Unterkieferzähne nach den Kriterien Kontakt zueinander haben, die wir im letzten Weblog-Post beschrieben haben.

Damit sind wir am Ende unserer Weblog-Serie über die Okklusion angelangt. Ich habe alle Weblog-Post in einem Artikel zusammengefasst. Diese Zusammenfassung können Sie sich hier herunterladen.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

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Bruxismus

Mittwoch, 22. Februar 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Bruxismus ist das Phänomen, dass bei der aggressiven, kämpferischen Form der Stress-Reaktion auch die Kaumuskulatur aktiviert wird, was zu Knirschen und Pressen mit den Zähnen führt. Dies geschieht mit extrem hohen Kräften: 200 bis 300 Kilopond sind beim nächtlichen Zähneknirschen gemessen worden. Tagsüber werden diese hohen Kräfte zwar nicht erreicht, jedoch wird auch bei täglichem Stress die Kaumuskulatur stärker aktiviert als bei den anderen Funktionen des Kausystems.

So hohe Kräfte und Belastungen wie beim nächtlichen Bruxismus kommen im Leben eines Menschen normalerweise nicht vor. Selbst bei Unfällen werden diese Kräfte selten erreicht. Und dann auch nur episodisch. Mit den Zähnen geknirscht wird jedoch jede Nacht und auch tagsüber, denn Stress ist eine normale Regulationsfunktion des Körpers: Tagsüber stellt sie dem Körper genügend Energie für seine verschiedenen Aktivitäten bereit. Nachts werden die täglichen Erlebnisse im Sinne von Psychohygiene verarbeitet, vor allem in den Traumphasen. Und dabei wird wieder die Kaumuskulatur aktiviert. Ich rechne deshalb Bruxismus zu den normalen Funktionen des Kausystems: Das Kausystem ist für mich vielmehr ein Stress-Organ und ein Organ der Stressorenverarbeitung als ein Kauorgan.

Es ist vor allem ein bestimmter Menschen- bzw. Persönlichkeitstyp betroffen: „Knirscher“ und „Presser“ sind in der Regel engagierte Menschen; Menschen die sich durchbeißen durch’s Leben, Macher, Manager, Perfektionisten, manchmal mit Hang zur Pedanterie. Sie sind zuverlässig; sie wollen alles richtig und es jedem recht machen. Wegen der hohen Kräfte, die sie bei Knirschen und Pressen ausüben, überlasten sie ihre Muskeln und Gelenke innerhalb und außerhalb des Kausystems. Vor allem dann, wenn Okklusionsstörungen vorliegen. Dann entstehen myofasziale Schmerzen besonders leicht.

Wir können zentrischen und exzentrischen Bruxismus unterscheiden:

Beim zentrischen Bruxismus (Pressen) presst der betroffene Mensch sein Zähne in der habituellen Okklusion aufeinander. Es entstehen keine Abrasionen von Zahnhartsubstanz. Die Kiefergelenke sind dabei nicht belastet, weil der Unterkiefer durch die Zähne hart abgestützt ist. Die beiden Ossa temporalia sind durch die Galea aponeurotica straff miteinander verbunden, so dass sich die Kräfte des linken und rechten M. masseter in ihrer Wirkung auf die räumliche Lage der Ossa temporalia und damit der Fossae der Kiefergelenke gegenseitig aufheben.

Beim exzentrischen Bruxismus bewegt bzw. reibt der betroffene Mensch seine Zähne auf pro- und retrusiven Flächen bzw. auf latero- und mediotrusiven Flächen aneinander. Dies kann geräuschvoll oder lautlos erfolgen. Die Gewebe der Kiefergelenke werden belastet, wenn auch nicht mit den gleichen hohen Kräften, wie die Zähne. Auf Dauer jedoch wird es zu Formveränderungen dieser Gewebe (zum Beispiel des Diskus) kommen. Zunge und Wangen schieben sich wie Polster zwischen Ober- und Unterkieferzähne um die Kräfte zu dämpfen. Es entstehen Zahneindrücke in diesen Weichteilen. Mit der Zeit bilden sich durch Abrasionen von Zahnhartsubstanz Schlifffacetten aus.

In jedem Fall wird beim Bruxismus die Muskulatur stark belastet. Nicht nur die Kaumuskulatur, sondern auch die antagonistischen hyoidalen Muskeln und die komplementären Nackenmuskeln werden beansprucht: Pathohistochemisch kommt es auf Dauer zu Prozesstörungen auf zellbiologischer Ebene im Bindegewebe der betroffenen Muskeln: Azidose, Mikrozirkulationsstörungen, Sauerstoff- und ATP-Mangel, Mikrokontrakturen und schließlich nozizeptiver Schmerz.

Zur Vermeidung hoher Kräfte beim nächtlichen Bruxismus eignet sich besonders die so genannte Jig-Schiene. Sie wirkt durch Auslösung eines Reflexes: Sobald der N. trigeminus spürt, dass nur die unteren Frontzähne auf dem Jig Kontakt haben, schaltet er reflektorisch die Kraftentfaltung in der Kaumuskulatur herunter auf 1 bis 3 Kilo. Diese Wirkung eines Jigs ist in mehreren elektromyografischen Studien bestätigt worden.

Im nächsten Weblog-Post werde ich beschreiben, wie sich Okklusionsstörungen negativ auf die Gleichgewichtsregulation und damit auf die Körperhaltung  auswirken können.

Herzliche Grüße und viel Erfolg
Ihr Erich Wühr

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Therapie: Eliminierung belastender funktioneller und belastender externer Kräfte

Dienstag, 29. November 2011

Wir erinnern uns:

Die regulative, regenerative, adaptative und kompensatorische Kapazität der Bindegewebe der Kiefergelenke ist groß: Auch bei ausgeprägten Gewebeveränderungen können die Gelenke hinreichend und symptomfrei funktionieren. Das bedeutet, dass nicht jede strukturelle und funktionelle Störung in den Kiefergelenken behandelt werden muss. Wenn wir uns aufgrund eines Patientenanliegens, rezidivierender  Kieferklemme oder Kiefersperre, vor umfangreichen restaurativen und/oder prothetischen Sanierungen oder bei Muskel- und Gelenkschmerzen dazu entschließen, Form- und Funktionsstörungen der Kiefergelenke zu behandeln, dann müssen wir zuallererst belastende funktionelle und belastende externe Kräfte mit Hilfe der klinischen, instrumentellen und bildgebenden Form- und Funktionsanalyse sowie der Haltungs- und Bewegungsanalyse identifizieren und eliminieren. Die Eliminierung der Belastungen ist unbedingt notwendig, um Form und Funktion der Kiefergelenke nachhaltig wiederherzustellen.

Eliminierung belastender funktioneller Kräfte

Wir erachten von allen funktionellen Kräften im kraniomandibulären System nur die Kräfte, die beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen (Bruxismus) auftreten, als potenziell belastend für die Kiefergelenke. Um diese enorm hohen Kräfte (bis zu 300 kp sind im Bereich der Okklusion gemessen worden) zu vermeiden, nutzen wir den Reflex, dass der N. trigeminus die Kraftentfaltung in der Kaumuskulatur auf 1 bis 3 kp reduziert, wenn nur die unteren Frontzähne Kontakt haben. Wir tun dies mit einer so genannten Jig-Schiene. Grundlegend zur Vermeidung hoher Kräfte beim Bruxismus ist allerdings der angemessene Umgang mit Stress. Deshalb absolvieren unsere Patienten begleitend zur Jig-Schienen-Therapie ein Stress-Management-Training bei unserem Psychologen oder in eigener Verantwortung ein Entspannungstraining.

Eliminierung belastender externer Kräfte

Belastende externe Kräfte sind dysfunktionelle Kräfte, die aus dem Fasziensystem auf die Kiefergelenke wirken. Sie werden von den Orthopäden, Physiotherapeuten, Osteopathen und anderen Experten in unserem interdisziplinären Netzwerk eliminiert, indem sie Körperfehlhaltungen und Beweglichkeitseinschränkungen behandeln. Besonders bewährt hat sich dabei in unseren Händen die Matrix-Rhythmus-Therapie. Sie behandelt Prozessstörungen auf zellbiologischer Ebene (akute und chronische Entzündungen) und stellt Form und Funktion belasteter Bindegewebsbereiche wieder her.

Zusätzlich muss bei vielen Patienten die Gleichgewichtsregulation durch optometrische Maßnahmen (Augenmuskelübungen und Prismenbrillen) und durch propriozeptive Einlagesohlen verbessert werden.

Alle diese Maßnahmen zur Normalisierung der externen Kräfte, die auf die Kiefergelenke wirken, führen in der Regel dazu, dass die Schläfenbeine ihre Position innerhalb des Gefüges der Schädelknochen ebenso verändern wie der Unterkiefer seine relative Lage zum Oberkiefer. In der Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse in einen Artikulator sehen wir dann eine Abweichung der vorbehandelten Unterkieferposition von der habituellen Interkuspidation, die mehrere Millimeter betragen kann. Diese Unterkieferlage muss durch eine Aufbissschiene oder andere Maßnahmen (restaurativ, prothetisch, kieferorthopädisch, Einschleifen) dauerhaft stabilisiert werden.

Unsere Ausgangsfrage war: Was müssen wir als Praktiker über das Kiefergelenk wissen? Hier meine Antwort darauf: In der Therapie ist die dauerhafte Eliminierung belastender externer und funktioneller Kräfte unbedingte Voraussetzung dafür, dass daran anschließend Form und Funktion der Kiefergelenke wiederhergestellt werden können. Letzteres werde ich im nächsten und abschließenden Post unserer Weblog-Serie über die Kiefergelenke beschreiben.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse – Teil 3: Gewebeverlässlichkeit

Dienstag, 18. Oktober 2011

In diesem Weblog-Post kommen wir zur dritten und entscheidenden Frage der Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse: Wie verlässlich ist die Unterkieferposition, die wir registriert haben? Mit anderen Worten: Zeigt uns das Registrat tatsächlich eine Unterkieferposition an, die für den Patienten beschwerdefrei ist?

Nach meiner Meinung ist die Verlässlichkeit des Registrats nicht so sehr von der Methode oder vom Behandler abhängig wie vom Zustand der registrierten Gewebe: Bei Patienten mit myofaszialen Schmerzen, Muskelverspannungen, Formstörungen der Gelenke und Gelenkentzündungen, Körperfehlhaltungen oder ausgeprägten Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien wird kein noch so erfahrener Behandler mit keiner noch so ausgeklügelten Methode ein Registrat nehmen können, auf das er sich prospektiv voll verlassen kann.

Wodurch kann die Verlässlichkeit der Gewebe beeinträchtigt werden?

Form und Funktion von Geweben hängen aus systemischer Sicht von den Rahmenbedingungen ab, die sie zu regulieren, adaptieren und kompensieren haben. Irritierende und belastende Rahmenbedingungen führen zu Form- und Funktionsstörungen. Für die an der zentrischen Kondylenposition beteiligten Gewebe sind folgende belastenden Bedingungen von besonderer Bedeutung:

  • Psycho-emotionaler Stress und entsprechend hohe Krafteinleitung beim Knirschen und Pressen
  • Zahnfehlstellungen und Dysgnathien
  • Mikrokontrakturen und Beweglichkeitseinschränkungen in allen Schichten des Fasziensystems (auch im Kraniomandibulären System selbst)
  • Fehlfunktionen der Augenmuskeln (Winkelfehlsichtigkeit)
  • Fehlfunktionen der Fußgewölbemuskulatur

Wie können wir die Verlässlichkeit der Gewebe beurteilen?

Als Hinweise aus fehlende Verlässlichkeit der beteiligten Gewebe gelten für uns folgende Kriterien:

  • Schmerzen in den Kiefergelenken (aufgrund von Arthritis, Kapsulitis oder aktivierter
    Arthrose) und in der Kaumuskulatur (myofasziale Schmerzen)
  • Diskopathien im Kiefergelenk (partielle oder vollständige Diskusluxationen)
  • druckschmerzhafte Muskulatur im Gesichts-, Kopf-, Hals- und Nackenbereich
  • neuralgische und neuralgiforme Schmerzen des Nervus trigeminus
  • motorische Fehlfunktion des Nervus trigeminus
  • ausgeprägter Bruxismus (abradierte Zahnhartsubstanz, Rezessionen der Gingiva, Zahneindrücke in Zunge und Wange)
  • ausgeprägte Zahnfehlstellungen und Dysgnathien
  • Dysfunktionen der Lippe, Zunge und Wange
  • ungenügende Reproduzierbarkeit von Kondylenpositionen

Die Reproduzierbarkeit der Kondylenposition können wir ganz einfach dadurch testen, dass wir drei oder mehr Registrate nehmen und diese im Artikulator mit Hilfe der Split-Cast-Methode überprüfen. Auch elektronische Hilfsmittel (in unserer Praxis wenden wir den Bluefox Freecorder an) eignen sich zur Überprüfung der Reproduzierbarkeit der Kondylenposition: Kann der vorbehandelte N. trigeminus in einem vorbehandelten Fasziensystem die Kaumuskulatur so steuern, dass auf einem frontalen Jig mehrmals hintereinander nahezu dieselbe Unterkieferposition eingenommen wird, dann gehen wir von einem verlässlichen Gewebe aus und damit von einem verlässlichen Registrat.

Wie können wir die Verlässlichkeit der Gewebe herstellen?

Wenn allerdings Hinweise für fehlende Verlässlichkeit der beteiligten Gewebe bestehen und keine reproduzierbare Kondylenposition vorliegt, dann müssen wir erst Maßnahmen ergreifen, die verlässliche Gewebe schaffen: Eliminierung irritierender und belastender Rahmenbedingungen und Wiederherstellung einer möglichst normalen Form und Funktion der beteiligten Gewebe. Dazu stehen uns folgenden Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Jig-Schiene und Stress-Management-Training bzw. Entspannungstraining
  • Kieferorthopädie
  • Physiotherapie
  • Optometrie
  • Propriozeptive Einlagen

Wenn wir trotz dieser Maßnahmen keine verlässliche Unterkieferposition finden, dann müssen wir eine therapeutische Position festlegen (hier hat sich in unserer Praxis das CAR-Gerät aus dem Bluefox-Freecorder-System hervorragend bewährt) und mit Hilfe einer Stabilisierungsschiene dem Gewebe anbieten. Diese Schienentherapie wird weiter von entsprechenden Behandlungen zur Herstellung der Gewebeverlässlichkeit begleitet. Nach drei bis sechs Monaten führen wir dann eine erneute Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse durch. Es hängt sowohl von der Qualität der therapeutischen Position als auch von der Qualität der Begleitbehandlungen ab, ob eine verlässliche Unterkieferposition erreicht werden kann.

Im nächsten Weblog-Post beschäftigen wir uns mit den bildgebenden Verfahren der Form- und Funktionsanalyse des kraniomandibulären Systems.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse – Teil 2: Registrierung der zentrischen Unterkieferrelation

Dienstag, 11. Oktober 2011

Im zweiten Schritt der Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse beantworten wir die Frage nach der räumlichen Lage des Unterkiefers in Relation zum Oberkiefer mit Hilfe eines Bissregistrats und der Montage eines Unterkiefermodells in einen Artikulator – und zwar nach systemischer Vorbehandlung.

Das Bissregistrat muss in zentrischer Kondylenposition erfolgen. Diese Position nehmen die Kondylen automatisch dann ein, wenn physiologische funktionelle und externe Kräfte auf die beteiligten Gewebe wirken. Dies können wir nur durch eine entsprechende Vorbehandlung sicherstellen. In der zentrischen Kondylenposition müssen nach Abschluss unserer Behandlung die Zähne des Patienten in bestmöglicher Okklusion zusammenpassen. Wir sprechen dann von zentrischer Okklusion.

Die Vorbehandlung muss belastende Rahmenbedingungen eliminieren und Form und Funktion der beteiligten Gewebe bestmöglich wiederherstellen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die enorm hohen Kräfte beim nächtlichen Zähneknirschen. Sie müssen unbedingt vermieden werden. Dies geschieht in unserer Praxis durch das
nächtliche Tragen einer Jig-Schiene sowie der Durchführung eines Stress-Management-Trainings bei unserem Psychologen bzw. eines Entspannungstrainings, das der Patient eigenverantwortlich absolviert. Form- und Funktionsstörungen des Fasziensystems werden durch physiotherapeutische oder ähnliche Methoden vorbehandelt.

Der Patient wird morgens um 8 Uhr zur Vorbehandlung in der eigenen Praxis oder der Praxis eines entsprechenden Therapeuten einbestellt. Er hat die ganze Nacht vorher seine Jig-Schiene getragen und sie im Mund belassen. Auf sein Frühstück hat er verzichtet. Auch während der Vorbehandlung bleibt die Jig-Schiene im Mund. Erst kurz vor der Bissnahme wird sie herausgenommen und sofort durch einen vorbereiteten frontalen Kunststoff-Jig ersetzt. Der Patient sitzt aufrecht auf der Vorderkante eines normalen Stuhls. Er lehnt sich nicht an. Seine Unterkieferfrontzähne ruhen auf dem frontalen Jig. Wenn der Patient propriozeptive Einlagesohlen besitzt, die ihm nach eigener Einschätzung gut tun, dann registrieren wir die Unterkieferposition nicht im Sitzen, sondern im Stehen.

Der Behandler sitzt oder steht genau vor dem Patienten und gibt ihm folgende Anweisungen: „Spüren Sie den Kontakt Ihrer Unterkieferfrontzähne auf dem Jig! Schieben Sie Ihren Unterkiefer auf dem Jig langsam nach vorne und wieder nach zurück … vor … und zurück … ganz nach hinten … bleiben Sie hinten! Öffnen Sie jetzt ganz leicht den Mund! <mit Daumen und Zeigefinger anzeigen> Klappern Sie jetzt ganz leicht mit Ihren Zähnen auf dem Jig! Stop! Halten Sie den Kontakt auf dem Jig!“ Alternativ: „Schlucken Sie und halten Sie den Kontakt auf dem Jig!“

Diese Position wird mit einem Silikonmaterial verschlüsselt. Mit Hilfe dieses Registrats wird nun auch das Unterkiefermodell im Artikulator montiert. Bevor wir aber im Artikulator die Unterkieferposition in Relation zum Oberkiefer beurteilen, stellt sich eine wichtige Frage: „Wie verlässlich ist das Registrat? Zeigt es uns tatsächlich eine Unterkieferposition an, die für den Patienten beschwerdefrei ist?“ Dieser Frage gehen wir im nächsten Weblog-Post nach.

Herzliche Grüße
Erich Wühr

Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse

Dienstag, 04. Oktober 2011

Teil 1: Einführung und Krafteinleitungsebene

Bei der Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse untersuchen wir Form und Funktion des Kausystems mit Instrumenten: Gesichtsbogen, Artikulator und Gipsmodelle. Sie ist im Rahmen der Kraniofazialen Orthopädie indiziert, wenn

  • die Probebehandlung mit der Jig-Schiene erfolgreich war und
  • der Patient angibt, dass er morgens, wenn er die Jig-Schiene herausnimmt, seinen „normalen“ Biss nicht findet.

Wenn allerdings ausgeprägte Formstörungen im Sinne von Zahnfehlstellungen oder Kieferanomalien vorliegen (Tiefbiss/Deckbiss, frontal oder seitlich offener Biss, frontaler oder seitlicher Kreuzbiss, einseitige oder beidseitige Distalokklusion), verzichten wir auf eine Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse und leiten sofort eine kieferorthopädische Behandlung ein.

Die Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse beantwortet uns vor allem folgende Fragen:

  1. Wie ist (derzeit) die räumliche Lage des Oberkiefers im Schädelgefüge? In Relation zu den Ossa temporalia?
  2. Wie ist (derzeit) die räumliche Lage des Unterkiefers in Relation zum Oberkiefer nach systemischer Vorbehandlung und wie verlässlich ist sie?

Zur Beantwortung der ersten Frage legen wir einen arbiträren Gesichtsbogen an: Der Gesichtsbogen wird an der Camper’schen Ebene ausgerichtet. Die Camper’sche Ebene ist definiert durch die Tragusspitzen am linken und rechten Ohr und durch den Subnasalpunkt. Ein Gipsmodell des Oberkiefers wird so in den Artikulator montiert, dass das Oberteil des Artikulators zur Camper’schen Ebene parallel ist. Mit Hilfe eines rechtwinkligen Kauebenentisches können wir beurteilen, wie die Kauebene des Oberkieferzahnbogens zur Camper’schen Ebene (also in Relation zu den Ossa temporalia) im Gefüge der Schädelknochen liegt.

Begründung: An der Kaufläche des Oberzahnbogens werden die funktionellen Kräfte beim Kauen, Schlucken, Knirschen und Pressen in das Gefüge der Schädelknochen eingeleitet. Die Kräfte werden orthognath eingeleitet, wenn die Kaufläche des Oberkieferzahnbogens parallel zur Camper’schen Ebene liegt; sie werden dysgnath eingeleitet, wenn dies nicht der Fall ist. In jedem Fall müssen die eingeleiteten Kräfte von der Hals- und Nackenmuskulatur kompensiert werden. Die geringen Kräfte beim Kauen und Schlucken fordern die Kompensationsfähigkeit der Hals- und Nackenmuskeln kaum. Die hohen Kräfte beim Knirschen und Pressen jedoch belasten diese Muskeln sehr, vor allem wenn zusätzlich eine dysgnathe Krafteinleitung vorliegt, weil die Kaufläche des Oberkiefers nicht parallel zur Camper’schen Ebene liegt. Diese Belastung kann sich in den Schultergürtel und in den Rücken fortsetzen.

Unsere Ausgangsfrage war: Was müssen wir als Praktiker über das Kiefergelenk wissen? Hier meine Antwort darauf:

Die Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse ist indiziert, wenn die Probebehandlung mit der Jig-Schiene erfolgreich war und der Patient angibt, dass er morgens, wenn er die Jig-Schiene herausnimmt, seinen „normalen“ Biss nicht findet. Sie
beantwortet uns die Fragen, wie der Oberkiefer im Schädelgefüge eingelagert ist, wie nach systemischer Vorbehandlung der Unterkiefer in Relation zum Oberkiefer liegt und wie verlässlich diese Lage ist. In einem ersten Schritt montieren wir mit Hilfe eines arbiträren Gesichtsbogens ein Oberkiefermodell in Relation zur Camper’schen Ebene und beurteilen, ob die funktionellen Kräfte beim Kauen, Schlucken, Knirschen und Pressen orthognath oder dysgnath in den Nacken eingeleitet werden.

Im nächsten Weblog-Post beschreibe ich, wie wir nach systemischer Vorbehandlung die Unterkieferrelation bestimmen.

Herzliche Grüße

Ihr Erich Wühr

Was sind die Funktionen des Kraniomandibulären Systems?

Mittwoch, 06. Oktober 2010

Das Kraniomandibuläre System ist in Form und Funktion schwer abzugrenzen – zu vielfältig sind die Vernetzungen und Wechselwirkungen mit Nachbarsystemen.  Die für die Kraniofaziale Orthopädie relevanten Funktionen des Kraniomandibulären Systems sind Kauen, Schlucken, Knirschen und Pressen, Sprechen und Atmen. Das Kraniomandibuläre System ist eigentlich vielmehr als ein Kauorgan.

Funktionsstörungen des Kraniomandibulären Systems (craniomandibuläre Dysfunktionen, CMD) sind demnach Kau- und Schluckstörungen, übermäßige Kräfte beim Knirschen und Pressen sowie Sprech- und Atemstörungen. Sie gehen einher bzw. entstehen durch Formstörungen des Kraniomandibulären Systems: Zahnformstörungen (vor allem der Kaufläche, das sind so genannte Okklusionsstörungen), Zahnzahlanomalien, Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien. Deshalb untersuchen und behandeln wir in der Kraniofazialen Orthopädie Funktionsstörungen des Kraniomandibulären Systems immer in Verbindung mit seinen Formstörungen.

Von besonderer pathogenetischer Bedeutung sind die übermäßigen Kräfte, die beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen entstehen (Bruxismus). Sie überlasten bei vielen Menschen Muskeln und Gelenke innerhalb und außerhalb des Kraniomandibulären System und führen zu entsprechenden myofaszialen Schmerzen. Mit Hilfe einer Jig-Schiene können hohe Kräfte beim Knirschen und Pressen vermieden werden.

Eine bedeutende Rolle spielt das Kraniomandibuläre System in der Regulation des Körpergleichgewichts im Schwerkraftfeld der Erde. Das zentrale Regulationsorgan ist dabei das Kleinhirn. Es bekommt seine Afferenzen aus verschiedenen Sensoren und Rezeptoren: aus dem Sehsinn, aus dem Hörsinn und dem Gleichgewichtssinn, aus den Propriozeptoren aller Stütz- und Bewegungsmuskeln (vor allem der Fußsohle) und nicht zuletzt aus den Rezeptoren des N. trigeminus im Zahnahlteapparat jedes Zahnes, den Kaumuskeln und der Kapseln der Kiefergelenke. Entsprechend dieses sensorischen und rezeptorischen Inputs reguliert das Kleinhirn efferent das Körpergleichgewicht. Das Ergebnis dieses Regulationsvorgangs ist die Körperhaltung. In unserem Buch über Kraniofaziale Orthopädie haben wir diese neurophysiologischen Zusammenhänge ausführlich beschrieben.

Okklusionsstörungen aufgrund von Formstörungen der Kauflächen, Zahnfehlstellungen, fehlenden Antagonisten und/oder Kieferanomlien geben störenden afferenten Input an das Kleinhirn. Dies kann zu Körperfehlhaltungen und entsprechenden muskulären Überlastungen und Schmerzen führen. Auch Schwindelerkrankungen können die Folge sein. Mit einer Stabilisierungsschiene können wir für störungsfreien propriozeptiven Input sorgen und therapeutisch auf Körperfehlhaltungen einwirken.

Die Jig-Schiene hat geholfen. Was soll ich tun?

Dienstag, 06. Juli 2010

Wenn die Jig-Schiene die Schmerzen des Patienten lindert, dann ist der Nachweis erbracht: Die muskulären Überlastungen durch die hohen Kräfte beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen sind für die Schmerzen verantwortlich oder mitverantwortlich. Die Fortsetzung des Stress-Management-Trainings ist als grundlegende Vorgehensweise indiziert.

Des Weiteren stellt sich die Frage, ob zusätzlicher zahnärztlicher Handlungsbedarf besteht. Dazu fragen wir den Patienten, ob morgens, wenn er die Jig-Schiene herausnimmt, seine Zähne sofort aufeinanderpassen oder ob er für einige Minuten das Gefühl hat, keinen Biss zu finden:

  • Findet der Patient nach dem Herausnehmen seiner Jig-Schiene sofort seinen habituellen Biss, so liegt in Bezug auf Bruxismus kein weiterer zahnärztlicher Handlungsbedarf vor.
  • Findet der Patient nach dem Herausnehmen seiner Jig-Schiene nicht sofort seinen habituellen Biss, so besteht weiterer zahnärztlicher Handlungsbedarf.

Im zweiten Fall hat die Jig-Schiene die Muskulatur in der Nacht so entlastet, dass der Unterkiefer eine (entspanntere) räumliche Lagebeziehung zum Oberkiefer einnehmen kann, die nicht der habituellen Okklusion entspricht. Diese Unterkieferlage gilt es nun in einer Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse zu analysieren, um danach die weitere Vorgehensweise zu entscheiden.

Liegen bei einem Patienten allerdings offensichtlich ausgeprägte Formstörungen vor, zum Beispiel Tiefbiss, Deckbiss, offener Biss, Kreuzbiss, so wird dem Patienten sofort eine kieferorthopädische Behandlung angeraten.