Mit ‘Winkelfehlsichtigkeit’ getaggte Artikel

Zusammenfassung und vertiefende Informationen

Mittwoch, 20. Februar 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die positiven Erfahrungen der täglichen Praxis zeigen uns, dass Form und Funktion des Kausystems eng mit der Funktion der Augenmuskeln zusammenhängen. Deshalb müssen wir in unserem interdisziplinären Konzept intensiv mit Optometristen zusammenarbeiten – sowohl in der Kieferorthopädie als auch bei der Diagnostik und Therapie von myofaszialen Schmerzen:

Bei anamnestischen Hinweisen auf Winkelfehlsichtigkeit führen wir Screening-Tests der Augenmuskelfunktionen durch, die wir gegebenenfalls durch einen Van-Orden-Stern-Test mit dem mac-O-scope vertiefen. Nach der Beseitigung von Form- und Funktionsstörungen im Kausystem wiederholen wir die Messungen und lösen, falls notwendig, vertiefende Untersuchungen und Behandlungen beim Optometristen aus.

Mit der folgenden Linkliste zu vertiefenden Informationen im Web schließen wir unsere Weblogserie zur Optometrie ab:

www.wvao.org
Wissenschaftliche Vereinigung für Augenoptik und Optometrie

www.ivbv.org
Internationale Vereinigung für binokulare Vollkorrektur

www.visual-training.info
Ein verhaltensorientiertes Sehtraining zur Verbesserung der Sehkraft, der visuellen Ausdauer und damit der allgemeinen Leistungsfähigkeit.

www.winkelfehlsichtigkeit.de
Dr. Uwe Wulff, Augenarzt und Augenoptiker

www.optometrieonline.de
Portal von Optometristen, die ständigen Austausch und Fortbildung pflegen

www.fehlsichtige-kinder.de
Selbsthilfegruppe in Bayern von Eltern betroffener Kinder

www.selbsthilfegruppe-winkelfehlsichtigkeit.de
Selbsthilfegruppe in Baden-Württemberg von Eltern betroffener Kinder

www.familie-staerken.de
Informationen zum Thema ADS, AD(H)S

Herzliche Grüße und viel Erfolg
Ihr Erich Wühr

Visualtraining

Mittwoch, 30. Januar 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Augenmuskeln sind Skelettmuskeln. Sie sind deshalb durch die gleichen Belastungen betroffen wie andere Skelettmuskeln; sie zeigen die gleichen pathohistochemischen Prozesse und sind mit den gleichen Methoden therapierbar. Das bedeutet auch, dass sie durch Übungen positiv zu beeinflussen sind. Wichtig ist, vor einem Visualtraining die vorliegenden Belastungen zu identifizieren und zu vermeiden.

Beispielhaft hier das Vorgehen, das der Optometrist Josef Thiel auf seiner Website www.sehen-sie-selbst.com beschreibt:

1. Zuerst wird eine visuelle Analyse nach dem OEP 21 Punkte Messprogramm, zusammen mit einer Vielzahl von Funktionsteste rund ums Auge vorgenommen. Bei dieser Messung werden die Leistungsgrenzen des Augenpaares ausgelotet.

2. Bei Kindern werden zusätzliche Tests z.B. über Lesefähigkeit und Bodyknowledge (Körpergefühl) durchgeführt.

3. Nach der Auswertung wird das Trainings-Programm individuell nach den geforderten Sehaufgaben zusammengestellt.

4. Ein Training beinhaltet je nach visuellem Problem 10-15 Trainingseinheiten im Optometrischen Zentrum Lindau, um das gelernte zu vertiefen und ins tägliche Leben einfügen.

5. Die tägliche Übungseinheit zuhause dauert ca. 20 Minuten, um den Erfolg des Trainings zu gewährleisten. Das benötigte Trainingsmaterial erhalten Sie bei uns.

6. Nach 14 Tagen (Übungseinheiten) treffen wir uns wieder im Optometrischen Zentrum und üben gemeinsam neue Teile des Trainings-Programms. Zeitaufwand ca. 45 Min.

7. Oft sind diese visuellen Probleme nach 6 Monaten trainieren nicht völlig integriert und können nach einer Pause von ca. 3-4 Monaten weiter vertieft werden.

8. Ein jährlicher Check beim Funktionaloptometristen ist empfehlenswert.

Optometristen, die Visualtraining anbieten, finden Sie auf der Webseite ihres Verbands: www.wvao.org Für weitere Informationen googeln Sie „Visualtraining“ …

Mit dem nächsten Post werden wir unsere Serie zur Optometrie mit einer Linkliste zu vertiefenden Informationen im Web abschließen.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Die Behandlung von Augenmuskelfehlfunktionen

Mittwoch, 09. Januar 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unter den Optometristen herrscht Uneinigkeit: Die Einen bestreiten, dass es möglich ist, durch Übungen Winkelfehlsichtigkeiten zu verbessern. Sie halten Sehhilfen und chirurgische Interventionen für die einzigen Möglichkeiten. Die Anderen versuchen, die Winkelfehlsichtigkeit vordergründig durch Behandlungen und Visualtraining zu verbessern. Ich schließe mich der zweiten Gruppe an: Augenmuskeln sind Skelettmuskeln. Sie sind deshalb durch die gleichen Belastungen betroffen wie andere Skelettmuskeln; sie zeigen die gleichen pathohistochemischen Prozesse und sind mit den gleichen Methoden therapierbar.

Wie immer in der Systemischen Medizin müssen wir zunächst belastende Lebensbedingungen identifizieren und eliminieren: mechanische, chemische, psychische und physiologisch-physikalische Belastungen kommen in Frage. Im Vordergrund stehen dabei erfahrungsgemäß psycho-emotionale Belastungen und die hohen mechanischen Kräfte beim Bruxismus.

Die Eliminierung der hohen Kräfte beim nächtlichen Zähneknirschen geschieht natürlich mit einer Jig-Schiene. Das damit immer verbundene Stresstraining sorgt für psycho-emotionale Entlastung. Auch kieferorthopädische Behandlungen wirken sich durch Verbesserung von Form und Funktion des Kausystem entlastend auf die Augenmuskelfunktionen aus. Ich erinnere Sie an das Fallbeispiel „Distalokklusion und AdvanSync“ im letzten Post vor Weihnachten.

Zur Extension von Mikrokontrakturen (chronische Entzündungen) in den Augenmuskeln setzen wir physiotherapeutische Verfahren ein. Unser Mittel der Wahl ist dabei die Matrix-Rhythmus-Therapie. Auch mit Akupunktur können wir die Form und Funktion der Augenmuskeln verbessern.

Natürlich sind die Augenmuskeln Teil des Fasziensystems: Sie stehen in enger funktioneller und struktureller Verbindung mit der duralen Faszienschicht, weil die Augenhöhle durch wichtige Knochen des Schädelgefüges gebildet wird. Ebenso gibt es enge funktionelle Beziehungen zum muskuloskelettalen Teil des Fasziensystems, vor allem zur Halswirbelsäule: Die Bewegungen des Kopfes durch die Hals- und Nackenmuskeln sind funktionell eng mit dem Sehen verbunden. Dies gilt vor allem in Bezug auf den Musculus sternocleidomastoideus. So finden wir nach Schleudertraumata häufig auch Fehlfunktionen der Augenmuskeln. Aus allen diesen Gründen sind osteopathische Behandlungen bei Winkelfehlsichtigkeiten sehr sinnvoll und erfolgversprechend.

Schließlich weise ich nochmal darauf hin, dass ich das Visualtraining bezüglich seiner Wirksamkeit bei Winkelfehlsichtigkeiten sehr hoch einschätze. Allerdings ist es erst dann sinnvoll, wenn individuell vorliegende Belastungen identifiziert und eliminiert sind.

Das Visualtraining ist Thema in unserem nächsten Post.

Bis dahin alles Gute und ein erfolgreiches Neues Jahr
Ihr Erich Wühr

Van-Orden-Stern-Test

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im letzten Post habe ich die verschiedenen Augenmuskeltests beschrieben. Wenn diese Tests auffällig sind, führen wir bei unseren Schmerzpatienten und kieferorthopädischen Patienten vertiefend den sogenannten Van-Orden-Stern-Test mit dem mac-O-scop durch. Dieser Test ist qualitativ und quantitativ aussagefähiger als die anderen Augenmuskeltests und dient uns vor allem der Verlaufkontrolle während der Therapie. Sollten am Ende unserer Therapie noch Hinweise auf eine Winkelfehlsichtigkeit bestehen, schicken wir diese Patienten zur genauen Vermessung und ggf. Korrektur mit einer Prismenbrille zum Optometriker.

Das mac-o-scop ist auf einem Stativ aufgeschraubt, dessen Höhe auf den stehenden Patienten eingestellt werden kann. Es besteht aus einem Okular, durch dessen Prismen die Sehachsen des Patienten parallel (unendliche Entfernung) gerichtet werden. Im Abstand von 20 cm ist eine senkrecht zur Blickrichtung stehende Platte montiert. Auf diese Platte wird ein Blatt aufgelegt, auf dem in einem bestimmten Abstand von einander zwei vertikale Symbolreihen mit danebenstehenden Zahlenreihen gedruckt sind.

Der Patient bekommt in jede Hand einen Bleistift. Zunächst sucht er in der linken und rechten Kolonne die „1“ und das „+“-Zeichen daneben. Auf dieses Symbol setzt er den linken bzw. rechten Bleistift. Nun bekommt er die Anweisung, die Bleistifte aueinander zuzuführen bis er sieht, dass sie sich berühren. Da die Sehachsen parallel gerichtet sind, haben die Bleistiftspitzen jedoch nur ungefähr die Hälfte der Strecke zwischen den beiden Symbolkolonnen zurückgelegt. Nun sucht er die „2“ in der linken Kolonne unten und in der rechten Kolonne oben. Wir setzt er die Bleistiftspitzen auf die entsprechenden Symbole und bewegt wieder die Bleistifte aufeinander zu, bis er sieht, dass sich die Bleistiftspitzen berühren. Dann das gleiche mit der „3“ links oden und rechts unten, dann mit der „4“ und so weiter.

Im Idealfall einer perfekten Winkelsichtigkeit ergibt sich einer so genannter Van-Orden-Stern:Die Bleistiftstriche treffen sich alle in zwei Punkten, die genau auf der Linie zwischen den beiden „+“-Zeichen (Horizontallinie) und in einem Viertel des Abstands der beiden Symbolkolonnen liegen. Eine Abweichung der Lage der Treffpunkte von den Idealpunkten gibt uns Hinweise, in welche Richtung die Sehachsen des Patienten abweichen.

Hier ein Beispiel für einen Van-Orden-Stern bei Winkelfehlsichtigkeit eines 11jährigen Jungen: Der Patient ist nicht in der Lage, alle Bleistiftstriche in einem Punkt zu vereinen. Außerdem gibt es starke Abweichungen in Richtung Esophorie (= Sehachsen in Konvergenz abweichend). Der Junge leidet an einer Distalbisslage. Unmittelbar nach dem Einsetzen einer korrigierenden Apparatur (AdvanSync) ergibt ein stark verbessertes Bild. Diese Verbesserung beweist, wie sehr sich funktionelle Maßnahmen im Kausystem auf die Augenmuskelfunktion auswirken kann.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wünsche Ihnen allen erholsame Feiertage und einen gelungenen Jahreswechsel. Ich werde mich am 9. Januar mit dem nächsten Weblog-Post wieder bei Ihnen melden.
Alles Gute und herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Befunderhebung: Tests der Augenmuskelfunktionen

Mittwoch, 28. November 2012

Für zahnärztliche und kieferorthopädische Zwecke genügen drei einfache Tests: Wir wollen mit diesen Tests überprüfen, ob bei dem betreffenden Patienten eine vertiefende Untersuchung der Augenmuskelfunktionen notwendig ist oder nicht. Diese drei Tests kosten nur wenig Zeit. Wir führen sie bei allen unseren Muskel- und Gelenkschmerzpatienten sowie bei unseren kieferorthopädischen Patienten durch. Bitte denken Sie daran: Jeweils ein Drittel aller jungen Patienten mit der Diagnose Legasthenie oder ADHS leiden tatsächlich nur an einer Winkelfehlsichtigkeit. Nicht nur, dass wir diese Patienten herausfinden und einer sinnvollen Therapie zuführen können, wir werden auch durch die Normalisierung der Form und Funktion des Kausystems die Winkelfehlsichtigkeit lindern oder sogar ganz beseitigen.

Konvergenztest: Beim Blick auf Personen oder Gegenstände, die sich näher als sechs Meter bei uns befinden, richten die Augenmuskeln die Sehachsen beider Augen nach innen in die so genannte Konvergenz (Abbildung 1). Mit dem Konvergenztest überprüfen wir diese Funktion: Wir stellen uns vor dem Patienten auf und halten einen Kugelschreiber in Augenhöhe des Patienten ungefähr 40 Zentimeter vor seiner Nasenspitze. Wir bitten den Patienten, die Spitze des Kugelschreibers nicht aus den Augen zu lassen und führen die Kugelschreiberspitze langsam auf die Nase des Patienten zu, bis sie die Nasenspitze berührt. Dabei müssen sich beide Augen gleichmäßig nach innen bewegen (Abbildung 2). Eine Dysfunktion liegt vor, wenn ein Auge nicht oder nicht genügend weit nach innen konvergiert. Wir sprechen dann von einer Hypokonvergenz.

Divergenztest: Dieser Test wird sofort an den Konvergenztest angeschlossen. Die Kugelschreiberspitze befindet sich noch an der Nasenspitze des Patienten. Wir bitten den Patienten, uns in die Augen zu schauen. Die Sehachsen beider Augen müssen sich nun schnell und gleichzeitig aus der Konvergenz wieder nach vorne richten (Abbildung 3). Eine Dysfunktion liegt vor, wenn ein Auge sich nicht bremsen kann und nach außen schwenkt (= Divergenz), um dann erst in die gerade Position zurückzukommen. Wir nennen diesen Befund eine Hyperdivergenz.

Abdecktest: Die Ausgangsposition des Abdecktests ist die gleiche wie beim Konvergenztest. Wir halten einen Kugelschreiber in 40 Zentimeter Abstand vor die Nasenspitze des Patienten. Zusätzlich decken wir mit unserer Handfläche ein Auge des Patienten ab. Damit verhindern wir, dass dieses Auge den Kugelschreiber sehen kann (Abbildung 4). Nun führen wir wieder die Kugelschreiberspitze zur Nasenspitze des Patienten, aber nicht weiter als die Abdeckung mit der Handfläche reicht. Wir beobachten, dass das sehende Auge in Konvergenz geht. Das sehende Auge müsste bei normaler Funktion der Augenmuskeln das abgedeckte, nicht sehende Auge mit in die Konvergenz führen. Wenn wir die Abdeckung wegziehen, müsste das nicht sehende Auge auch in Konvergenz auf die Kugelschreiberspitze gerichtet sein. Eine Dysfunktion liegt vor, wenn dies nicht der Fall ist und das nicht sehende Auge noch in Divergenz steht oder in die Konvergenz nachgeführt werden muss. Der Test wird dem anderen Auge wiederholt.

Diese drei einfachen und schnell durchzuführenden Tests geben uns Hinweise auf Fehlfunktionen der Augenmuskeln, aufgrund derer wir vertiefende Untersuchungen beim Optometriker auslösen können. Aber Vorsicht: Viele Optometriker vermessen die Augenmuskelfunktionen und fertigen sofort danach eine so genannte Prismenbrille an, um die Winkelfehlsichtigkeit mit dieser Sehhilfe zu korrigieren. Wir gehen aber davon aus, dass wir durch unsere zahnärztlichen, kieferorthopädischen und physiotherapeutischen Behandlungen sowie durch Übungen die Augenmuskelfunktionen positiv beeinflussen werden. Also wäre eine optometrische Sehhilfe erst angezeigt, wenn nach diesen Behandlungen tatsächlich noch Augenmuskelfehlfunktionen übrig blieben.

Um dieses Dilemma zu vermeiden, haben wir in unserer Praxis eine zusätzliche und vertiefende Messmethode der Augenmuskelfunktionen eingeführt: den so genannten Van-Orden-Stern-Test mit dem mac-O-scope. Mit dieser Methode können wir den Erfolg unserer Behandlungen in Bezug auf die Augenmuskelfunktionen genauer messen und im Verlauf dokumentieren. Ich werde ich Ihnen diese Methode in drei Wochen in meinem nächsten Weblog-Post vorstellen.

Bis dahin alles Gute
Ihr Erich Wühr

Legasthenie und ADHS

Mittwoch, 07. November 2012

Die Symptomatik der Winkelfehlsichtigkeit (Dysphorie) ist den Symptomen der Legasthenie und des ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) sehr ähnlich. Angeblich haben Untersuchungen betroffener Kinder und Jugendlicher ergeben, dass jeweils ein Drittel der jungen Legasthenie- bzw. ADHS-Patienten tatsächlich an einer Winkelfehlsichtigkeit leiden und sich die entsprechenden Symptome durch optometrische und therapeutische Maßnahmen verbessern lassen. Auch die neurologischen Befunde in Enzephalogrammen von Patienten mit Winkelfehlsichtigkeit zeigen starke Ähnlichkeiten mit denen von Legasthenie- und ADHS-Patienten. Leider sind diese Zusammenhänge in der Neurologie und KInderpsychologie noch wenig bekannt.

Aber als Kieferorthopäden und kieferorthopädisch tätige Zahnärzte sehen wir viele dieser jungen Patienten. Wir können durch einfache Anamnesen (siehe unser letzter Post) und Tests einen Verdacht auf Winkelfehlsichtigkeit feststellen und angemessene vertiefende Untersuchungen bei den Experten veranlassen. Hier stehen wir wieder in der Verpflichtung, über unseren zahnärztlichen „Tellerrand“ hinauszuschauen …

In drei Wochen werde ich Ihnen im nächsten Post einfache Winkelfehlsichtigkeitstests vorstellen.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Symptome und Befunde bei Dysphorien

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine Winkelfehlsichtigkeit (Dysphorie) hat vielfältige störende und symptomatische Auswirkungen, sowohl lokal für das Sehen als auch systemisch für die Motorik und die Körperhaltung. Muskelschmerzen können ebenso die Folge von Augenmuskelfehlfunktionen sein wie mentale Probleme:

  • Unbefriedigendes oder schlechtes Sehen
  • Bildschirmarbeit und längeres Lesen strengen an und ermüden
  • Lichtempfindlichkeit
  • Augenbrennen, Augentränen, gerötete Augen, trockene Augen
  • Augenblinzeln, Augenzucken, Augenreiben
  • Augenschmerzen (hinter den Augen, um die Orbita herum), Kopfschmerzen, Migräne
  • Verspannungen und Schmerzen im Hals-, Nacken- und Schulterbereich
  • Kopfschiefhaltung
  • Störungen der Grob- und Feinmotorik, Koordinationsprobleme, Anrempeln, Stolpern
  • Hypermotorik, „Zappelphilipp“
  • Verträumtheit
  • Zwangshaltungen beim Lesen und Schreiben
  • Übelkeit, Bauchschmerzen
  • Schwindelgefühle
  • Ungern Fernsehen und Computerspielen
  • Lesefaulheit, schnelle Ermüdung beim Lesen
  • Motivations- und Konzentrationsprobleme
  • Schreib- und Leseschwäche, Rechtschreibschwäche
  • Krakelige Handschrift, schlechte Linienhaltung, kurzzeitiges Doppeltsehen

Ich habe diese Befunde und Symptome in Fragebögen zusammengefasst, und zwar in zwei Versionen: Einen Fragebogen für Erwachsene und einen Fragebogen für Kinder. Wenn Sie auf die Links klicken, können Sie sich die Fragebögen herunterladen. Ich würde mich freuen, wenn Ihnen diese Werkzeuge bei Ihrer täglichen Arbeit helfen.

In drei Wochen werde ich Ihnen über die Problematik berichten, dass Legasthenie und ADHS ähnliche Symptome haben und oft mit Winkelfehlsichtigkeit verwechselt werden.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Ätiologie und Pathogenese von Dysphorien

Mittwoch, 26. September 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Augenmuskeln sind Skelettmuskeln und somit können sie, wie alle anderen Muskeln auch, Mikrokontrakturen bilden. Pathohistochemisch sind Mikrokontrakturen chronische Entzündungen. Sie sind vor allem gekennzeichnet durch Mikrozirkulationsstörungen, die Sauerstoffmangel, dadurch ATP-Mangel, dadurch Azidose und letztendlich Schmerzen bewirken. Klinische zeigen sich Verhärtungen (Myogelosen), Beweglichkeitseinschränkungen und Fehlhaltungen. Verursacht werden solche chronischen Entzündungen durch

  • mechanische Belastungen (bei Augenmuskeln vor allem hohe Kräfte beim nächtlichen Knirschen und Pressen, aber auch andere Muskelkräfte, die auf die Orbita übertragen werden, sowie traumatische Kräfte, zum Beispiel Geburtstrauma),
  • chemische Belastungen (zum Beispiel Umweltbelastungen),
  • psycho-emotionale Belastungen (Stichwort: neurogene Entzündung) und/oder
  • physiologische Belastungen (zum Beispiel: Neuropathien der drei Augenmuskelnerven oder Elektro-Smog).

Wenn nun ein Augenmuskel solche Mikrokontrakturen aufweist, gerät das fein aufeinander abgestimmte Zusammenwirken der 14 Augenmuskeln durcheinander: Der kontrahierte Muskel zieht natürlich den Augapfel in seine Funktionsrichtung mit der Folge voneinander abweichender Sehachsen (siehe Abbildung). Das Gehirn würde Doppelbilder sehen. Diesen Zustand vermeidet es, indem es durch Kontraktion der Antagonisten die Sehachsen wieder synchronisiert. Diese Kompensation bedeutet ihrerseits eine Störung, die wiederum kompensiert werden muss und so weiter. Im Laufe der Zeit wird der Kompensationsaufwand immer größer. Die Augenmuskulatur ermüdet leichter und dekompensiert immer wieder, was sich in den Symptomen und Befunden einer Dysphorie (= Winkelfehlsichtigkeit) äussert (siehe nächster Weblog-Post). Schließlich beginnt sie sogar zu schmerzen: Schmerzen hinter den Augen und/oder Schmerzen um die Orbita herum.

Es wäre nun ein Fehler, wenn die Winkelfehlsichtigkeit ausschließlich optometrisch korrigiert werden würde: Zuerst müssen die belastenden Ursachen beseitigt werden; dann müssen die Augenmuskeln physiotherapeutisch behandelt werden; diese Behandlung muss durch Augenmuskelübungen (Visualtraining) unterstützt werden. Was dann noch an Fehlfunktion übrig bleibt, kann mit einer optometrischen Brille (Prismenbrille) korrigiert werden. Dazu werde ich in einem späteren Weblog-Post berichten.

Im nächsten Post in drei Wochen werde ich Ihnen die Befunde und Symptome einer Dysphorie vorstellen. Daran werden Sie erkennen, wenn Ihre Patienten an einer Winkelfehlsichtigkeit leiden.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Zahnmedizin und Optometrie

Dienstag, 04. September 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Sommerpause ist vorbei, und ich werde Sie in diesem Herbst und Winter in einer Weblog-Serie über den Zusammenhang des Kraniomandibulären Systems mit den Funktionen der Augenmuskeln informieren.

In der täglichen Praxis ist dieser Zusammenhang oft in verblüffender Art und Weise auffällig und relevant, sowohl bei Patienten mit Muskel- und Gelenkschmerzen als auch bei kieferorthopädischen Patienten. Die Erfahrung zeigt ganz deutlich, dass sich Form- und Funktionsstörungen des Kausystems belastend auf die Funktion der Augenmuskeln auswirken und dort zu Problemen und Symptomen führen, vor allem zur so genannten Winkelfehlsichtigkeit (Dysphorie).

Bei unseren Schmerzpatienten untersuchen wir mittlerweile routinemäßig die Augenmuskelfunktionen und arbeiten mit Optometrikern (das sind fortgebildete Optiker, die Winkelfehlsichtigkeit messen und korrigieren) zusammen. Die Jig-Schiene zeigt teilweise enorme Verbesserungen der Augenmuskelfunktionen, was sich über funktionelle Zusammenhänge auch positiv auf die Hals- und Nackenmuskulatur auswirkt.

Untersuchungen haben ergeben, dass bei einem Drittel der Kinder, bei denen Legasthenie diagnostiziert wurde, und bei einem Drittel der Kinder, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, tatsächlich „lediglich“ eine Winkellfehlsichtigkeit vorliegt. Und die steht häufig im Zusammenhang mit Kieferanomalien und Zahnfehlstellungen. Wenn diese Zahlen auch nur annähernd stimmen, haben wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden die Verantwortung, diese Kinder herauszufinden und der richtigen, nämlich zahnärztlich-kieferorthopädischen Behandlung zuzuführen. Es ist mein Traum, dass irgendwann alle Kieferorthopäden, genauso wie sie mit Logopäden und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten zusammenarbeiten, routinemäßig auch die Funktion der Augenmuskeln untersuchen und mit Optometrikern kooperieren.

Mit meiner Weblog-Serie möchte ich Sie für diese Problematik sensibilisieren und motivieren, sich bei Ihren Schmerzpatienten und auch bei Ihren kieferorthopädischen Patienten um diese Zusammenhänge zu kümmern. Ich werde berichten über

  • die funktionelle Anatomie des Augenmuskelsystems (am 5. September),
  • die Ätiologie und Pathogenese von Fehlfunktionen der Augenmuskeln (Winkelfehlsichtigkeit, = Dysphorie) (am 26. September),
  • die Problematik der Fehldiagnosen Legasthenie und ADHS bei Dysphorien (am 17. Oktober),
  • die Befunde der Dysphorien (am 7. November),
  • die Anamnese der Dysphorien (am 28. November),
  • die Befunderhebung: Tests der Augenmuskelfunktionen (am 12. Dezember),
  • den Van-Orden-Stern-Test mit dem mac-O-scope (am 9. Januar 2013),
  • die Therapie von Augenmuskelfehlfunktionen (30. Januar 2013)
  • das Visualtraining (am 20. Februar 2013) und
  • über Quellen von vertiefenden Informationen im Internet (am 13. März 2013).

Morgen erscheint der erste Weblog-Post zur funktionellen Anatomie des Augenmuskelsystems. Bitte scheuen Sie sich nicht, Fragen zustellen und meine Ausführungen zu kommentieren. Ich würde mich über rege Diskussionen sehr freuen.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr