Mit ‘belastende Lebensbedingungen’ getaggte Artikel

Visualtraining

Mittwoch, 30. Januar 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Augenmuskeln sind Skelettmuskeln. Sie sind deshalb durch die gleichen Belastungen betroffen wie andere Skelettmuskeln; sie zeigen die gleichen pathohistochemischen Prozesse und sind mit den gleichen Methoden therapierbar. Das bedeutet auch, dass sie durch Übungen positiv zu beeinflussen sind. Wichtig ist, vor einem Visualtraining die vorliegenden Belastungen zu identifizieren und zu vermeiden.

Beispielhaft hier das Vorgehen, das der Optometrist Josef Thiel auf seiner Website www.sehen-sie-selbst.com beschreibt:

1. Zuerst wird eine visuelle Analyse nach dem OEP 21 Punkte Messprogramm, zusammen mit einer Vielzahl von Funktionsteste rund ums Auge vorgenommen. Bei dieser Messung werden die Leistungsgrenzen des Augenpaares ausgelotet.

2. Bei Kindern werden zusätzliche Tests z.B. über Lesefähigkeit und Bodyknowledge (Körpergefühl) durchgeführt.

3. Nach der Auswertung wird das Trainings-Programm individuell nach den geforderten Sehaufgaben zusammengestellt.

4. Ein Training beinhaltet je nach visuellem Problem 10-15 Trainingseinheiten im Optometrischen Zentrum Lindau, um das gelernte zu vertiefen und ins tägliche Leben einfügen.

5. Die tägliche Übungseinheit zuhause dauert ca. 20 Minuten, um den Erfolg des Trainings zu gewährleisten. Das benötigte Trainingsmaterial erhalten Sie bei uns.

6. Nach 14 Tagen (Übungseinheiten) treffen wir uns wieder im Optometrischen Zentrum und üben gemeinsam neue Teile des Trainings-Programms. Zeitaufwand ca. 45 Min.

7. Oft sind diese visuellen Probleme nach 6 Monaten trainieren nicht völlig integriert und können nach einer Pause von ca. 3-4 Monaten weiter vertieft werden.

8. Ein jährlicher Check beim Funktionaloptometristen ist empfehlenswert.

Optometristen, die Visualtraining anbieten, finden Sie auf der Webseite ihres Verbands: www.wvao.org Für weitere Informationen googeln Sie „Visualtraining“ …

Mit dem nächsten Post werden wir unsere Serie zur Optometrie mit einer Linkliste zu vertiefenden Informationen im Web abschließen.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Die Behandlung von Augenmuskelfehlfunktionen

Mittwoch, 09. Januar 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unter den Optometristen herrscht Uneinigkeit: Die Einen bestreiten, dass es möglich ist, durch Übungen Winkelfehlsichtigkeiten zu verbessern. Sie halten Sehhilfen und chirurgische Interventionen für die einzigen Möglichkeiten. Die Anderen versuchen, die Winkelfehlsichtigkeit vordergründig durch Behandlungen und Visualtraining zu verbessern. Ich schließe mich der zweiten Gruppe an: Augenmuskeln sind Skelettmuskeln. Sie sind deshalb durch die gleichen Belastungen betroffen wie andere Skelettmuskeln; sie zeigen die gleichen pathohistochemischen Prozesse und sind mit den gleichen Methoden therapierbar.

Wie immer in der Systemischen Medizin müssen wir zunächst belastende Lebensbedingungen identifizieren und eliminieren: mechanische, chemische, psychische und physiologisch-physikalische Belastungen kommen in Frage. Im Vordergrund stehen dabei erfahrungsgemäß psycho-emotionale Belastungen und die hohen mechanischen Kräfte beim Bruxismus.

Die Eliminierung der hohen Kräfte beim nächtlichen Zähneknirschen geschieht natürlich mit einer Jig-Schiene. Das damit immer verbundene Stresstraining sorgt für psycho-emotionale Entlastung. Auch kieferorthopädische Behandlungen wirken sich durch Verbesserung von Form und Funktion des Kausystem entlastend auf die Augenmuskelfunktionen aus. Ich erinnere Sie an das Fallbeispiel „Distalokklusion und AdvanSync“ im letzten Post vor Weihnachten.

Zur Extension von Mikrokontrakturen (chronische Entzündungen) in den Augenmuskeln setzen wir physiotherapeutische Verfahren ein. Unser Mittel der Wahl ist dabei die Matrix-Rhythmus-Therapie. Auch mit Akupunktur können wir die Form und Funktion der Augenmuskeln verbessern.

Natürlich sind die Augenmuskeln Teil des Fasziensystems: Sie stehen in enger funktioneller und struktureller Verbindung mit der duralen Faszienschicht, weil die Augenhöhle durch wichtige Knochen des Schädelgefüges gebildet wird. Ebenso gibt es enge funktionelle Beziehungen zum muskuloskelettalen Teil des Fasziensystems, vor allem zur Halswirbelsäule: Die Bewegungen des Kopfes durch die Hals- und Nackenmuskeln sind funktionell eng mit dem Sehen verbunden. Dies gilt vor allem in Bezug auf den Musculus sternocleidomastoideus. So finden wir nach Schleudertraumata häufig auch Fehlfunktionen der Augenmuskeln. Aus allen diesen Gründen sind osteopathische Behandlungen bei Winkelfehlsichtigkeiten sehr sinnvoll und erfolgversprechend.

Schließlich weise ich nochmal darauf hin, dass ich das Visualtraining bezüglich seiner Wirksamkeit bei Winkelfehlsichtigkeiten sehr hoch einschätze. Allerdings ist es erst dann sinnvoll, wenn individuell vorliegende Belastungen identifiziert und eliminiert sind.

Das Visualtraining ist Thema in unserem nächsten Post.

Bis dahin alles Gute und ein erfolgreiches Neues Jahr
Ihr Erich Wühr

Fortsetzung 3 von 4: Video-Vorträge zu Muskel- und Gelenkschmerzen

Dienstag, 26. April 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor drei Wochen habe ich begonnen Ihnen meine Vorträge anlässlich des 6. Netzwerkkongresses in München in 2007 hier in unserem Weblog zugänglich machen. Wir haben mit dem Interview von Medizin-tv und meiner Einführung begonnen und mit den den drei wichtigsten theoretischen Erkenntnissen und den praktischen Konsequenzen daraus sowie den drei wichtigsten Erkenntnissen bzw. Methoden der Befunderhebung
fortgesetzt.

Heute nun: Die drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Therapie
Hier klicken, um den Vortrag herunterzuladen …

Meine drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Therapie sind:

1. Ohne vorhergehende Eliminierung chronischer Belastungen macht die weitere Therapie keinen Sinn: Erst „den Rucksack leer machen“!

2. Danach oder zeitgleich ist die Wiederherstellung der Mikrozirkulation im Bindegewebe grundlegend für die weitere Therapie.

3. Schließlich erfolgt die autoregulative, wiederherstellende oder symptomatische Therapie von Form- und Funktionsstörungen.

In der nächsten Woche wird der letzte Teil der Reihe folgen:

Die drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Patientenführung

Ich freue mich über Ihr Interesse.
Herzliche Grüße

Erich Wühr

Fortsetzung 2 von 4: Video-Vorträge zu Muskel- und Gelenkschmerzen

Dienstag, 19. April 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor zwei Wochen habe ich begonnen Ihnen meine Vorträge anlässlich des 6. Netzwerkkongresses in München in 2007 hier in unserem Weblog zugänglich machen. Wir haben mit dem Interview von Medizin-tv und meiner Einführung begonnen und mit den den drei wichtigsten theoretischen Erkenntnissen und den praktischen Konsequenzen daraus
fortgesetzt.

Heute nun: Die drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Befunderhebung
Hier klicken, um den Vortrag herunterzuladen …

Meine drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Befunderhebung sind:

1. „Der chronische Schmerz lügt!“

2. Die Erhebung von Belastungen, Befunden und Symptomen muss im ganzen System und in seinem Umfeld erfolgen.

3. Dies ist nur in einem interdisziplinären Netzwerk möglich.

In den nächsten Wochen werden folgen:

Die drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Therapie
Die drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Patientenführung

Ich freue mich über Ihr Interesse.
Herzliche Grüße

Erich Wühr

Fortsetzung 1 von 4: Video-Vorträge zu Muskel- und Gelenkschmerzen

Dienstag, 12. April 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

letzte Woche habe ich begonnen Ihnen meine Vorträge anlässlich des 6. Netzwerkkongresses in München in 2007 hier in unserem Weblog zugänglich machen. Wir haben mit dem Interview von Medizin-tv und meiner Einführung begonnen.

Heute nun: Die drei wichtigsten theoretischen Erkenntnisse und die praktischen Konsequenzen daraus
Hier klicken, um den Vortrag anzusehen …

Meine drei wichtigsten theoretischen Erkenntnisse und die praktischen Konsequenzen daraus sind:

1. Bei chronischen Erkrankungen besteht die Notwendigkeit systemischen (interdisziplinären) Denkens, Entscheidens und Handelns

2. Chronische Erkrankungen sind nicht „monokausal“ verursacht. Vielmehr liegen individuell vielfältige mechanische, chemische, psychische und physiologische/physikalische Belastungen vor.

3. Der Patient versteht dies sofort mit Hilfe der „Rucksack“-Metapher. Er versteht auch, dass er selbst „seinen Rucksack gefüllt“ hat.

In den nächsten Wochen werden folgen:

Die drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Befunderhebung
Die drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Therapie
Die drei wichtigsten Erkenntnisse bzw. Methoden der Patientenführung

Ich freue mich über Ihr Interesse.
Herzliche Grüße

Erich Wühr

Was ist nozizeptiver Schmerz?

Donnerstag, 09. Dezember 2010

Beim nozizeptiven Schmerz unterscheiden wir zwischen akuten und chronischen nozizeptiven Schmerzen:

  • Akuter Schmerz entsteht aufgrund einer episodischen Gewebeschädigung durch eine Noxe (= Schmerzreiz) und der entsprechenden Reizung der Nozizeptoren des verletzten Bindegewebsbereichs. Dieser Schmerz ist ein Warnsignal für das betroffene Individuum und damit funktionell sinnvoll und lebenserhaltend. Akute nozizeptive Schmerzen im Kraniomandibulären System können wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden lokal behandeln, indem wir die Noxe eliminieren (sofern sie uns noch zugänglich ist) und die lokale Form und Funktion wieder herstellen bzw. deren selbstregulatorische Regeneration fördern.
  • Der chronische Schmerz entsteht nicht aufgrund einer einzigen akuten Belastung, sondern aufgrund vielfältiger belastender Lebensbedingungen, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln und schließlich nicht mehr adaptiert und kompensiert werden können. Der chronische Schmerz ist dysfunktionell und wird zur eigenständigen Erkrankung mit dauerhafter Einschränkung der Lebensqualität des betroffenen Menschen. Den chronisch nozizeptiven Schmerz können wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden in unserem interdisziplinären Netzwerk zusammen mit anderen Ärzten und Therapeuten behandeln. Wir sind dabei für die Eliminierung belastender Lebensbedingungen  aus dem Kraniomandibulären System (vor allem Bruxismus) und der Wiederherstellung von Form und Funktion des Kraniomandibulären Systems zuständig.

Pathohistochemisch gesehen ist nozizeptiver Schmerz eine akute bzw. chronische Entzündung im Bindegewebe aufgrund physikalischer, chemischer und neurogener bzw. physiologischer Noxen, die die Nozizeptoren (Schmerzrezeptoren) reizen. Diese Reize werden über periphere Nerven an das zentrale Nervensystem weitergeleitet, wo der betroffene Mensch sie emotiv und kognitiv als schmerzhaft erlebt.