Mit ‘neuropathischer Schmerz’ getaggte Artikel

Was ist Schmerzmedizin?

Mittwoch, 03. April 2013

Die Schmerzmedizin beschäftigt sich mit der Erforschung, Diagnostik und Therapie nozizeptiver, neuropathischer und psychogener Schmerzzustände. Ärzte – meist Neurologen oder Anästhesisten – können durch entsprechende Fortbildung die Zusatzbezeichnung Schmerzmedizin erwerben.

Die therapeutischen Möglichkeiten der Schmerzmedizin sind vielfältig: Sie reichen von medikamentöser Therapie bis zur Akupunktur und psychologischen Schmerztherapie. Eine Schmerztherapie wird in der Regel multimodal durchgeführt, das heißt: Mehrere geeignete Verfahren kommen gleichzeitig zur Anwendung.

Vertiefende Informationen erhalten Sie auf der Website der Deutschen Akademie für Ganzheitliche Schmerztherapie e.V. (DAGST).

Ein sehr empfehlenswertes Buch für Zahnärzte und Kieferorthopäden ist das Buch: Okeson JP (2005). Bell’s Orofacial Pains. 6th Edition. Chicago: Quintessenz – allerdings in englischer Sprache. Ein empfehlenswertes allgemeines Lehrbuch ist: Bernateck M et al (2012). Schmerzmedizin – 1000 Fragen. Stuttgart: Thieme

Wir schicken vor allem Patienten mit neuropathischen Schmerzen zum Schmerzmediziner. Wir erkennen diese Patienten an folgenden Kriertien:

  • Anamnestisch liegen eine Verletzung, eine Stoffwechselerkrankung (z.B. Diabetes), eine virale Erkrankung (z.B. Herpes zoster) oder eine degenerative Nervenerkrankung (z.B. Multiple Sklerose) vor.
  • Klinisch berichtet der Patient über Missempfindungen wie Brennen, Kribbeln oder Parästhesien.

Vorsicht: Bei diesen Patienten finden wir natürlich „CMD“ (Craniomandibuläre Dysfunktionen) – aber wir sind nicht zuständig. Eine CMD-Behandlung ist nicht angezeigt.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

CMD – ein unglücklicher und irreführender Begriff hat sich durchgesetzt!

Mittwoch, 13. März 2013

Ja, leider! Der Begriff „CMD“ ist in aller Munde. Nicht nur bei Zahnärzten und Kieferorthopäden, auch bei Physiotherapeuten, Osteopathen und Ärzten, sogar Patienten verwenden diesen Begriff: „Ich habe CMD!“

Die Abkürzung „CMD“ steht für „Craniomandibuläre Dysfunktionen“, ursprünglich im Amerikanischen für „craniomandibular disorders“, und um das „D“ in der Abkürzung beizubehalten hat man aus „disorders“ im Deutschen „Dysfunktionen“ gemacht. Nebenbei bemerkt: „disorders“ meint natürlich auch Formstörungen.

Aber: Dysfunktionen (und Formstörungen) sind Befunde und keine Erkrankungen! Und Befunde sind nicht automatisch behandlungswürdig: Form- und Funktionsstörungen finden wir in jedem Kauorgan. Es gibt kein strukturell und funktionell perfektes Kauorgan. Und damit sind wir bei einem echten Problem der täglichen (und weltweiten) Praxis der so genannten „CMD-Behandlungen“: Muskel- und Gelenkschmerzen (auch Kiefergelenk- und Kaumuskelschmerzen) können nozizeptiv, neuropathisch und/oder psychogen (somatoform) sein. Bei neuropathischem und psychogenen Schmerzen sind Schmerzmediziner (Neurologen, Anästhesisten) bzw. Psychotherapeuten und Psychosomatiker zuständig und nicht wir Zahnärzte und Kieferorthopäden. Auch wenn wir bei diesen Patienten CMD finden, dürfen wir nicht behandeln, sondern müssen sie der grundlegenden Therapie zuführen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Verwendung des irreführenden Begriffs „CMD“ hat zu vielen falschen und überflüssigen Behandlungen geführt und tut es noch. Ich appelliere deshalb an Sie: Verwenden Sie nicht mehr den Begriff „CMD“! Nennen Sie das Kind bei seinem richtigen Namen: Wir behandeln myofasziale Schmerzen oder Muskel- und Gelenkschmerzen innerhalb und außerhalb des Kausystems! Und unterscheiden Sie entsprechend der modernen Neurophysiologie des Schmerzes zwischen nozizeptiven, neuropathischen und psychogenen Schmerzen. Bei neuropathischen und psychogenen Schmerzen sind wir Zahnärzte und Kieferorthopäden nicht zuständig – und wenn noch soviele „CMD“ vorliegen …

Ich darf Sie an meine Weblog-Posts erinnern:

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Was ist neuropathischer Schmerz?

Sonntag, 09. Januar 2011

Beim neuropathischen Schmerz (Neuralgie) ist der betroffene periphere Nerv aufgrund von Verletzung, thermischer, mechanischer und/oder chemischer Belastungen, Nerventzündung (Neuritis), Sensibilisierung und neuroplastischen Veränderungen in seiner Form und Funktion geschädigt bzw. gestört und selbst der Auslöser der Schmerzwahrnehmung.

Wir können ihn mit Hilfe folgender Kriterien diagnostizieren:

  • Anamnestisch liegen eine Verletzung, eine Stoffwechselerkrankung (z.B. Diabetes), eine virale Erkrankung (z.B. Herpes zoster) oder eine degenerative Nervenerkrankung (z.B. Multiple Sklerose) vor.
  • Klinisch berichtet der Patient über Missempfindungen wie Brennen, Kribbeln oder Parästhesien.

Bei neuropathischem Schmerz sind wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden primär nicht zuständig. Diese Schmerzart gehört in neurologische bzw. schmerzmedizinische Behandlung.

Was ist Schmerz?

Donnerstag, 18. November 2010

In Anlehnung an die Definition der International Association for the Study of Pain definieren wir in der Kraniofazialen Orthopädie Schmerz als eine unangenehme, die Lebensqualität beeinträchtigende sensorische und emotionale Erfahrung, die mit einer aktuellen oder potenziellen Gewebeschädigung einhergeht oder mit den Begriffen einer solchen Gewebeschädigung beschrieben wird.

Aus systemischer Sicht können wir ergänzen: Schmerz ist das subjektive kognitive und emotive Erleben einer Form- und Funktionsstörung des eigenen Systems als Ausdruck seiner aktuellen und biografischen Selbstregulation unter seinen aktuellen und biografischen belastenden inneren und äußeren Lebensbedingungen.

Aufgrund verschiedener neurophysiologischer Schmerzmechanismen unterscheiden wir drei Schmerzarten, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen:

  • Akuten und chronischen nozizeptiven Schmerz,
  • neuropathischen Schmerz (auch chronisch) und
  • primär und sekundäre psychogenen Schmerz.

In der zahnärztlichen und kieferorthopädischen Praxis ist es wichtig, dass wir diese Schmerzarten differenzieren können: Nur für akuten und chronischen nozizeptiven Schmerz sind wir als Zahnärzte und Kieferorthopäden zuständig. Neuropathischer Schmerz braucht Behandlungen durch den Neurologen bzw. den Schmerzmediziner; psychogener Schmerz eine psychologische Schmerztherapie.

Demnächst werden wir auf diesem Weblog auf jede einzelne dieser Schmerzarten eingehen und beschreiben … Schon heute können Sie sich in unserem Artikel Differenzialdiagnostik Schmerz informieren.