Mit ‘Physiotherapie’ getaggte Artikel

Die Behandlung von Augenmuskelfehlfunktionen

Mittwoch, 09. Januar 2013

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unter den Optometristen herrscht Uneinigkeit: Die Einen bestreiten, dass es möglich ist, durch Übungen Winkelfehlsichtigkeiten zu verbessern. Sie halten Sehhilfen und chirurgische Interventionen für die einzigen Möglichkeiten. Die Anderen versuchen, die Winkelfehlsichtigkeit vordergründig durch Behandlungen und Visualtraining zu verbessern. Ich schließe mich der zweiten Gruppe an: Augenmuskeln sind Skelettmuskeln. Sie sind deshalb durch die gleichen Belastungen betroffen wie andere Skelettmuskeln; sie zeigen die gleichen pathohistochemischen Prozesse und sind mit den gleichen Methoden therapierbar.

Wie immer in der Systemischen Medizin müssen wir zunächst belastende Lebensbedingungen identifizieren und eliminieren: mechanische, chemische, psychische und physiologisch-physikalische Belastungen kommen in Frage. Im Vordergrund stehen dabei erfahrungsgemäß psycho-emotionale Belastungen und die hohen mechanischen Kräfte beim Bruxismus.

Die Eliminierung der hohen Kräfte beim nächtlichen Zähneknirschen geschieht natürlich mit einer Jig-Schiene. Das damit immer verbundene Stresstraining sorgt für psycho-emotionale Entlastung. Auch kieferorthopädische Behandlungen wirken sich durch Verbesserung von Form und Funktion des Kausystem entlastend auf die Augenmuskelfunktionen aus. Ich erinnere Sie an das Fallbeispiel „Distalokklusion und AdvanSync“ im letzten Post vor Weihnachten.

Zur Extension von Mikrokontrakturen (chronische Entzündungen) in den Augenmuskeln setzen wir physiotherapeutische Verfahren ein. Unser Mittel der Wahl ist dabei die Matrix-Rhythmus-Therapie. Auch mit Akupunktur können wir die Form und Funktion der Augenmuskeln verbessern.

Natürlich sind die Augenmuskeln Teil des Fasziensystems: Sie stehen in enger funktioneller und struktureller Verbindung mit der duralen Faszienschicht, weil die Augenhöhle durch wichtige Knochen des Schädelgefüges gebildet wird. Ebenso gibt es enge funktionelle Beziehungen zum muskuloskelettalen Teil des Fasziensystems, vor allem zur Halswirbelsäule: Die Bewegungen des Kopfes durch die Hals- und Nackenmuskeln sind funktionell eng mit dem Sehen verbunden. Dies gilt vor allem in Bezug auf den Musculus sternocleidomastoideus. So finden wir nach Schleudertraumata häufig auch Fehlfunktionen der Augenmuskeln. Aus allen diesen Gründen sind osteopathische Behandlungen bei Winkelfehlsichtigkeiten sehr sinnvoll und erfolgversprechend.

Schließlich weise ich nochmal darauf hin, dass ich das Visualtraining bezüglich seiner Wirksamkeit bei Winkelfehlsichtigkeiten sehr hoch einschätze. Allerdings ist es erst dann sinnvoll, wenn individuell vorliegende Belastungen identifiziert und eliminiert sind.

Das Visualtraining ist Thema in unserem nächsten Post.

Bis dahin alles Gute und ein erfolgreiches Neues Jahr
Ihr Erich Wühr

Ätiologie und Pathogenese von Dysphorien

Mittwoch, 26. September 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Augenmuskeln sind Skelettmuskeln und somit können sie, wie alle anderen Muskeln auch, Mikrokontrakturen bilden. Pathohistochemisch sind Mikrokontrakturen chronische Entzündungen. Sie sind vor allem gekennzeichnet durch Mikrozirkulationsstörungen, die Sauerstoffmangel, dadurch ATP-Mangel, dadurch Azidose und letztendlich Schmerzen bewirken. Klinische zeigen sich Verhärtungen (Myogelosen), Beweglichkeitseinschränkungen und Fehlhaltungen. Verursacht werden solche chronischen Entzündungen durch

  • mechanische Belastungen (bei Augenmuskeln vor allem hohe Kräfte beim nächtlichen Knirschen und Pressen, aber auch andere Muskelkräfte, die auf die Orbita übertragen werden, sowie traumatische Kräfte, zum Beispiel Geburtstrauma),
  • chemische Belastungen (zum Beispiel Umweltbelastungen),
  • psycho-emotionale Belastungen (Stichwort: neurogene Entzündung) und/oder
  • physiologische Belastungen (zum Beispiel: Neuropathien der drei Augenmuskelnerven oder Elektro-Smog).

Wenn nun ein Augenmuskel solche Mikrokontrakturen aufweist, gerät das fein aufeinander abgestimmte Zusammenwirken der 14 Augenmuskeln durcheinander: Der kontrahierte Muskel zieht natürlich den Augapfel in seine Funktionsrichtung mit der Folge voneinander abweichender Sehachsen (siehe Abbildung). Das Gehirn würde Doppelbilder sehen. Diesen Zustand vermeidet es, indem es durch Kontraktion der Antagonisten die Sehachsen wieder synchronisiert. Diese Kompensation bedeutet ihrerseits eine Störung, die wiederum kompensiert werden muss und so weiter. Im Laufe der Zeit wird der Kompensationsaufwand immer größer. Die Augenmuskulatur ermüdet leichter und dekompensiert immer wieder, was sich in den Symptomen und Befunden einer Dysphorie (= Winkelfehlsichtigkeit) äussert (siehe nächster Weblog-Post). Schließlich beginnt sie sogar zu schmerzen: Schmerzen hinter den Augen und/oder Schmerzen um die Orbita herum.

Es wäre nun ein Fehler, wenn die Winkelfehlsichtigkeit ausschließlich optometrisch korrigiert werden würde: Zuerst müssen die belastenden Ursachen beseitigt werden; dann müssen die Augenmuskeln physiotherapeutisch behandelt werden; diese Behandlung muss durch Augenmuskelübungen (Visualtraining) unterstützt werden. Was dann noch an Fehlfunktion übrig bleibt, kann mit einer optometrischen Brille (Prismenbrille) korrigiert werden. Dazu werde ich in einem späteren Weblog-Post berichten.

Im nächsten Post in drei Wochen werde ich Ihnen die Befunde und Symptome einer Dysphorie vorstellen. Daran werden Sie erkennen, wenn Ihre Patienten an einer Winkelfehlsichtigkeit leiden.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Therapie: Wiederherstellung von Form und Funktion der Kiefergelenke

Dienstag, 13. Dezember 2011

Der erste Schritt bei der Behandlung der Kiefergelenke ist immer die Eliminierung belastender funktioneller und externer Kräfte. Im vorherigen Weblog-Post vor 14 Tagen haben wir dies besprochen. Nun kommt der zweite Schritt: Die Wiederherstellung von Form und Funktion der Kiefergelenke. Eigentlich geht es dabei nur um die Aufrechterhaltung physiologischer Funktionen, denn die Bindegewebe der Kiefergelenke haben ein großes Regenerationspotenzial. Sie werden ihre Form im Laufe der Zeit automatisch normalisieren, wenn sie ausschließlich physiologisch belastet werden. Zusätzlich verfügen wir über physiotherapeutische Möglichkeiten, um die Regeneration der
Gewebe zu unterstützen.

Wiederherstellung physiologischer Funktionen

Die Wiederherstellung physiologischer Funktionen geschieht durch die Abstützung der zentrischen Unterkieferrelation durch eine zentrische Okklusion. Dies kann erfolgen durch Stabilisierungsschienen verschiedenster Art, durch aufgeklebte, laborgefertigte Kauflächen aus Composite oder Keramik (so genannte table tops) oder durch provisorische bzw. definitive restaurative Maßnahmen. Besonders wichtig ist die Vermeidung hoher Kräfte beim nächtlichen Bruxismus. Dies geschieht durch das Tragen einer Jig-Schiene für mindestens weitere drei Monate. Da wir allerdings Bruxismus für eine normale Funktion des Kausystems halten, raten wir Patienten, auch über die Zeit der Regeneration hinaus eine Jig-Schiene zu tragen.

Physiotherapie

Physiotherapeutische Maßnahmen können die Regeneration der Bindegewebe der Kiefergelenke unterstützen. Es geht darum, die Durchblutung der Gewebe zu fördern und dadurch mit Energiestoffen (Sauerstoff und ATP) zu versorgen. In unserer Praxis hat sich dabei die Matrix-Rhythmus-Therapie (www.marhythe-systems.de) besonders bewährt. Sie ist physiotherapeutisch unser Mittel der Wahl geworden.

Zur unterstützenden Physiotherapie gehören auch funktionelle Übungen, die wir dem Patienten beibringen und die er in eigener Verantwortung
durchführen soll. Es haben sich in unserer Praxis zwei Übungssysteme bewährt:

  • Die Feldenkrais-Methode: Hier gibt es die verschiedensten Audio-Kassetten, die wir dem Patienten empfehlen (Suchen Sie bei www.amazon.de unter „feldenkrais kiefer“).
  • Die Spiraldynamik nach Christian Larsen: Auch hierfür gibt es Audio-Kassetten (Suchen Sie bei www.amazon.de unter „spiraldynamik kiefer“).

Unsere Ausgangsfrage war: Was müssen wir als Praktiker über das Kiefergelenk wissen? In dreizehn Weblog-Posts habe ich Ihnen meine Antwort auf diese Frage beschrieben. Falls Sie alle Posts in einem Artikel nochmal lesen wollen, können Sie die entsprechende Datei hier herunterladen.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Jahresausklang und melde mich im Januar wieder.
Herzliche Grüße und Alles Gute im Neuen Jahr
Ihr/Euer Erich Wühr

Therapie: Eliminierung belastender funktioneller und belastender externer Kräfte

Dienstag, 29. November 2011

Wir erinnern uns:

Die regulative, regenerative, adaptative und kompensatorische Kapazität der Bindegewebe der Kiefergelenke ist groß: Auch bei ausgeprägten Gewebeveränderungen können die Gelenke hinreichend und symptomfrei funktionieren. Das bedeutet, dass nicht jede strukturelle und funktionelle Störung in den Kiefergelenken behandelt werden muss. Wenn wir uns aufgrund eines Patientenanliegens, rezidivierender  Kieferklemme oder Kiefersperre, vor umfangreichen restaurativen und/oder prothetischen Sanierungen oder bei Muskel- und Gelenkschmerzen dazu entschließen, Form- und Funktionsstörungen der Kiefergelenke zu behandeln, dann müssen wir zuallererst belastende funktionelle und belastende externe Kräfte mit Hilfe der klinischen, instrumentellen und bildgebenden Form- und Funktionsanalyse sowie der Haltungs- und Bewegungsanalyse identifizieren und eliminieren. Die Eliminierung der Belastungen ist unbedingt notwendig, um Form und Funktion der Kiefergelenke nachhaltig wiederherzustellen.

Eliminierung belastender funktioneller Kräfte

Wir erachten von allen funktionellen Kräften im kraniomandibulären System nur die Kräfte, die beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen (Bruxismus) auftreten, als potenziell belastend für die Kiefergelenke. Um diese enorm hohen Kräfte (bis zu 300 kp sind im Bereich der Okklusion gemessen worden) zu vermeiden, nutzen wir den Reflex, dass der N. trigeminus die Kraftentfaltung in der Kaumuskulatur auf 1 bis 3 kp reduziert, wenn nur die unteren Frontzähne Kontakt haben. Wir tun dies mit einer so genannten Jig-Schiene. Grundlegend zur Vermeidung hoher Kräfte beim Bruxismus ist allerdings der angemessene Umgang mit Stress. Deshalb absolvieren unsere Patienten begleitend zur Jig-Schienen-Therapie ein Stress-Management-Training bei unserem Psychologen oder in eigener Verantwortung ein Entspannungstraining.

Eliminierung belastender externer Kräfte

Belastende externe Kräfte sind dysfunktionelle Kräfte, die aus dem Fasziensystem auf die Kiefergelenke wirken. Sie werden von den Orthopäden, Physiotherapeuten, Osteopathen und anderen Experten in unserem interdisziplinären Netzwerk eliminiert, indem sie Körperfehlhaltungen und Beweglichkeitseinschränkungen behandeln. Besonders bewährt hat sich dabei in unseren Händen die Matrix-Rhythmus-Therapie. Sie behandelt Prozessstörungen auf zellbiologischer Ebene (akute und chronische Entzündungen) und stellt Form und Funktion belasteter Bindegewebsbereiche wieder her.

Zusätzlich muss bei vielen Patienten die Gleichgewichtsregulation durch optometrische Maßnahmen (Augenmuskelübungen und Prismenbrillen) und durch propriozeptive Einlagesohlen verbessert werden.

Alle diese Maßnahmen zur Normalisierung der externen Kräfte, die auf die Kiefergelenke wirken, führen in der Regel dazu, dass die Schläfenbeine ihre Position innerhalb des Gefüges der Schädelknochen ebenso verändern wie der Unterkiefer seine relative Lage zum Oberkiefer. In der Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse in einen Artikulator sehen wir dann eine Abweichung der vorbehandelten Unterkieferposition von der habituellen Interkuspidation, die mehrere Millimeter betragen kann. Diese Unterkieferlage muss durch eine Aufbissschiene oder andere Maßnahmen (restaurativ, prothetisch, kieferorthopädisch, Einschleifen) dauerhaft stabilisiert werden.

Unsere Ausgangsfrage war: Was müssen wir als Praktiker über das Kiefergelenk wissen? Hier meine Antwort darauf: In der Therapie ist die dauerhafte Eliminierung belastender externer und funktioneller Kräfte unbedingte Voraussetzung dafür, dass daran anschließend Form und Funktion der Kiefergelenke wiederhergestellt werden können. Letzteres werde ich im nächsten und abschließenden Post unserer Weblog-Serie über die Kiefergelenke beschreiben.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Identifizierung belastender externer Kräfte

Dienstag, 15. November 2011

Externe Kräfte, die auf die Strukturen der Kiefergelenke wirken, nennen wir diejenigen Kräfte, die mit ihren eigentlichen Bewegungsfunktionen nichts zu tun haben. Sie wirken sich auf die räumliche Lage des Unterkiefers und der beiden Schläfenbeine aus sowie auf die Lagebeziehung dieser drei Knochen zueinander: Auf die Schläfenbeine wirken muskuläre, ligamentäre und durale Kräfte. Auf den Unterkiefer wirken die Kräfte der ansetzenden Muskeln: Kaumuskeln sowie supra- und infrahyoidale Muskeln. Insgesamt können wir sagen, dass die Kiefergelenke Teile des Fasziensystems sind und sich Kräfte aus dem Fasziensystem auf die Kiefergelenke übertragen.

Dysfunktionelle Kräfte im Fasziensystem äußern sich als Köperfehlhaltungen (Formstörungen) und Beweglichkeitseinschränkungen (Funktionsstörungen). Als Zahnärzte und Kieferorthopäden sollten wir in der Lage sein, mit einfachen Methoden der Haltungs- und Bewegungsanalyse Hinweise auf Form- und Funktionsstörungen des Fasziensystems zu erkennen und vertiefende Untersuchungen (und Behandlungen) bei Orthopäden, Physiotherapeuten oder Osteopathen in unserem interdisziplinären Netzwerk auszulösen. Wir haben in der sogenannten Posturalen Grunduntersuchung solche einfachen Methoden zusammengefasst und in einem Videovortrag dargestellt, den sie sich anschauen können, wenn Sie hier anklicken.

In den beiden letzten Posts unserer Weblogserie über das Kiefergelenk werden wir besprechen, wie wir belastende funktionelle und externe Kräfte eliminieren und anschließend Form und Funktion der Kiefergelenke wiederherstellen können.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse – Teil 3: Gewebeverlässlichkeit

Dienstag, 18. Oktober 2011

In diesem Weblog-Post kommen wir zur dritten und entscheidenden Frage der Instrumentellen Form- und Funktionsanalyse: Wie verlässlich ist die Unterkieferposition, die wir registriert haben? Mit anderen Worten: Zeigt uns das Registrat tatsächlich eine Unterkieferposition an, die für den Patienten beschwerdefrei ist?

Nach meiner Meinung ist die Verlässlichkeit des Registrats nicht so sehr von der Methode oder vom Behandler abhängig wie vom Zustand der registrierten Gewebe: Bei Patienten mit myofaszialen Schmerzen, Muskelverspannungen, Formstörungen der Gelenke und Gelenkentzündungen, Körperfehlhaltungen oder ausgeprägten Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien wird kein noch so erfahrener Behandler mit keiner noch so ausgeklügelten Methode ein Registrat nehmen können, auf das er sich prospektiv voll verlassen kann.

Wodurch kann die Verlässlichkeit der Gewebe beeinträchtigt werden?

Form und Funktion von Geweben hängen aus systemischer Sicht von den Rahmenbedingungen ab, die sie zu regulieren, adaptieren und kompensieren haben. Irritierende und belastende Rahmenbedingungen führen zu Form- und Funktionsstörungen. Für die an der zentrischen Kondylenposition beteiligten Gewebe sind folgende belastenden Bedingungen von besonderer Bedeutung:

  • Psycho-emotionaler Stress und entsprechend hohe Krafteinleitung beim Knirschen und Pressen
  • Zahnfehlstellungen und Dysgnathien
  • Mikrokontrakturen und Beweglichkeitseinschränkungen in allen Schichten des Fasziensystems (auch im Kraniomandibulären System selbst)
  • Fehlfunktionen der Augenmuskeln (Winkelfehlsichtigkeit)
  • Fehlfunktionen der Fußgewölbemuskulatur

Wie können wir die Verlässlichkeit der Gewebe beurteilen?

Als Hinweise aus fehlende Verlässlichkeit der beteiligten Gewebe gelten für uns folgende Kriterien:

  • Schmerzen in den Kiefergelenken (aufgrund von Arthritis, Kapsulitis oder aktivierter
    Arthrose) und in der Kaumuskulatur (myofasziale Schmerzen)
  • Diskopathien im Kiefergelenk (partielle oder vollständige Diskusluxationen)
  • druckschmerzhafte Muskulatur im Gesichts-, Kopf-, Hals- und Nackenbereich
  • neuralgische und neuralgiforme Schmerzen des Nervus trigeminus
  • motorische Fehlfunktion des Nervus trigeminus
  • ausgeprägter Bruxismus (abradierte Zahnhartsubstanz, Rezessionen der Gingiva, Zahneindrücke in Zunge und Wange)
  • ausgeprägte Zahnfehlstellungen und Dysgnathien
  • Dysfunktionen der Lippe, Zunge und Wange
  • ungenügende Reproduzierbarkeit von Kondylenpositionen

Die Reproduzierbarkeit der Kondylenposition können wir ganz einfach dadurch testen, dass wir drei oder mehr Registrate nehmen und diese im Artikulator mit Hilfe der Split-Cast-Methode überprüfen. Auch elektronische Hilfsmittel (in unserer Praxis wenden wir den Bluefox Freecorder an) eignen sich zur Überprüfung der Reproduzierbarkeit der Kondylenposition: Kann der vorbehandelte N. trigeminus in einem vorbehandelten Fasziensystem die Kaumuskulatur so steuern, dass auf einem frontalen Jig mehrmals hintereinander nahezu dieselbe Unterkieferposition eingenommen wird, dann gehen wir von einem verlässlichen Gewebe aus und damit von einem verlässlichen Registrat.

Wie können wir die Verlässlichkeit der Gewebe herstellen?

Wenn allerdings Hinweise für fehlende Verlässlichkeit der beteiligten Gewebe bestehen und keine reproduzierbare Kondylenposition vorliegt, dann müssen wir erst Maßnahmen ergreifen, die verlässliche Gewebe schaffen: Eliminierung irritierender und belastender Rahmenbedingungen und Wiederherstellung einer möglichst normalen Form und Funktion der beteiligten Gewebe. Dazu stehen uns folgenden Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Jig-Schiene und Stress-Management-Training bzw. Entspannungstraining
  • Kieferorthopädie
  • Physiotherapie
  • Optometrie
  • Propriozeptive Einlagen

Wenn wir trotz dieser Maßnahmen keine verlässliche Unterkieferposition finden, dann müssen wir eine therapeutische Position festlegen (hier hat sich in unserer Praxis das CAR-Gerät aus dem Bluefox-Freecorder-System hervorragend bewährt) und mit Hilfe einer Stabilisierungsschiene dem Gewebe anbieten. Diese Schienentherapie wird weiter von entsprechenden Behandlungen zur Herstellung der Gewebeverlässlichkeit begleitet. Nach drei bis sechs Monaten führen wir dann eine erneute Instrumentelle Form- und Funktionsanalyse durch. Es hängt sowohl von der Qualität der therapeutischen Position als auch von der Qualität der Begleitbehandlungen ab, ob eine verlässliche Unterkieferposition erreicht werden kann.

Im nächsten Weblog-Post beschäftigen wir uns mit den bildgebenden Verfahren der Form- und Funktionsanalyse des kraniomandibulären Systems.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Meine Empfehlung: Kurse zur Physiotherapie im Kausystem

Sonntag, 02. Oktober 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich bin auf einen sehr interessanten Anbieter für Physiotherapiekurse gestoßen:  http://www.fobi-akademie.de/besucherApp/misc/std_page.php?id=148&nav=145 Ich habe mich mit dem Initiator und Betreiber dieser Fortbildungskademie, Herrn Markus Pschick, getroffen und mir von ihm seine Präsentationen und sein didaktisches Konzept zeigen lassen.

Besonders empfehlenswerts sind die Kurse zu CMD, Atlas-Therapie und der so genannte Kettenkurs, bei dem die Behandlung entlang von Muskel- und Faszienketten gelehrt wird. Diese Kurse halte ich für so gut, dass ich sie für die Zertifizierung „Kraniofaziale Orthopädie für Physiotherapeuten“ und der damit verbundenen Aufnahme in unser Therapeutenverzeichnis anerkenne.

Die Kurse sind aber nicht nur für Physiotherapeuten geeignet, sondern auch für Zahnärzte und Kieferorthopäden interessant, die sich einen Überblick über die Möglichkeiten der Physiotherapie verschaffen wollen.

Darüberhinaus sind diese Kurse mit € 125,- sehr preisgünstig.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Übermorgen folgt der nächste Artikel unserer Kiefergelenksserie …

1-Tagesseminar Kraniofaziale Orthopädie für Physiotherapeuten

Mittwoch, 21. September 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Physiotherapeuten und Zahnärzte/Kieferorthopäden sind natürliche Partner bei der Diagnostik und Therapie von Patienten mit

  • Kaumuskel- und Kiefergelenkschmerzen,
  • Kopfschmerzen und Migräne,
  • Nacken-, Schulter- und Armschmerzen, HWS-Syndrom
    und Rückenschmerzen,
  • Tinnitus und Schwindel.

Das interdisziplinäre Konzept der Kraniofazialen Orthopädie beschreibt, wie Physiotherapeuten und Zahnärzte/Kieferorthopäden erfolgreich bei diesen Patienten zusammenarbeiten. Es hat sich seit Jahren in vielen Kooperationen von Physiotherapeuten und Zahnärzten/Kieferorthopäden bewährt.

Ich lade Sie deshalb recht herzlich zum Seminar „Kraniofaziale Orthopädie für Physiotherapeuten“ ein. Sie haben zwei Termine an zwei verschiedenen Orten zur Auswahl:

Am Samstag, 15. Oktober 2011 in Bad Kötzting (Seminarleiter: Dr. med. dent. Wolfgang Funk) oder

am Samstag, 22. Oktober 2011 in Deggendorf (Seminarleiter ist Dr. med. dent. Thomas Weidenbeck).

Beide Referenten sind langjährige Anwender der Kraniofazialen Orthopädie und haben in ihren Praxen umfangreiche interdisziplinäre Netzwerke
mit Physiotherapeuten aufgebaut.

Bitte informieren Sie sich hier in der Seminarbeschreibung.

Mit diesem Formular können Sie sich anmelden.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr