Mit ‘Schwindel’ getaggte Artikel

Symptome und Befunde bei Dysphorien

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine Winkelfehlsichtigkeit (Dysphorie) hat vielfältige störende und symptomatische Auswirkungen, sowohl lokal für das Sehen als auch systemisch für die Motorik und die Körperhaltung. Muskelschmerzen können ebenso die Folge von Augenmuskelfehlfunktionen sein wie mentale Probleme:

  • Unbefriedigendes oder schlechtes Sehen
  • Bildschirmarbeit und längeres Lesen strengen an und ermüden
  • Lichtempfindlichkeit
  • Augenbrennen, Augentränen, gerötete Augen, trockene Augen
  • Augenblinzeln, Augenzucken, Augenreiben
  • Augenschmerzen (hinter den Augen, um die Orbita herum), Kopfschmerzen, Migräne
  • Verspannungen und Schmerzen im Hals-, Nacken- und Schulterbereich
  • Kopfschiefhaltung
  • Störungen der Grob- und Feinmotorik, Koordinationsprobleme, Anrempeln, Stolpern
  • Hypermotorik, „Zappelphilipp“
  • Verträumtheit
  • Zwangshaltungen beim Lesen und Schreiben
  • Übelkeit, Bauchschmerzen
  • Schwindelgefühle
  • Ungern Fernsehen und Computerspielen
  • Lesefaulheit, schnelle Ermüdung beim Lesen
  • Motivations- und Konzentrationsprobleme
  • Schreib- und Leseschwäche, Rechtschreibschwäche
  • Krakelige Handschrift, schlechte Linienhaltung, kurzzeitiges Doppeltsehen

Ich habe diese Befunde und Symptome in Fragebögen zusammengefasst, und zwar in zwei Versionen: Einen Fragebogen für Erwachsene und einen Fragebogen für Kinder. Wenn Sie auf die Links klicken, können Sie sich die Fragebögen herunterladen. Ich würde mich freuen, wenn Ihnen diese Werkzeuge bei Ihrer täglichen Arbeit helfen.

In drei Wochen werde ich Ihnen über die Problematik berichten, dass Legasthenie und ADHS ähnliche Symptome haben und oft mit Winkelfehlsichtigkeit verwechselt werden.

Herzliche Grüße
Ihr Erich Wühr

Was sind die Funktionen des Kraniomandibulären Systems?

Mittwoch, 06. Oktober 2010

Das Kraniomandibuläre System ist in Form und Funktion schwer abzugrenzen – zu vielfältig sind die Vernetzungen und Wechselwirkungen mit Nachbarsystemen.  Die für die Kraniofaziale Orthopädie relevanten Funktionen des Kraniomandibulären Systems sind Kauen, Schlucken, Knirschen und Pressen, Sprechen und Atmen. Das Kraniomandibuläre System ist eigentlich vielmehr als ein Kauorgan.

Funktionsstörungen des Kraniomandibulären Systems (craniomandibuläre Dysfunktionen, CMD) sind demnach Kau- und Schluckstörungen, übermäßige Kräfte beim Knirschen und Pressen sowie Sprech- und Atemstörungen. Sie gehen einher bzw. entstehen durch Formstörungen des Kraniomandibulären Systems: Zahnformstörungen (vor allem der Kaufläche, das sind so genannte Okklusionsstörungen), Zahnzahlanomalien, Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien. Deshalb untersuchen und behandeln wir in der Kraniofazialen Orthopädie Funktionsstörungen des Kraniomandibulären Systems immer in Verbindung mit seinen Formstörungen.

Von besonderer pathogenetischer Bedeutung sind die übermäßigen Kräfte, die beim Knirschen und Pressen mit den Zähnen entstehen (Bruxismus). Sie überlasten bei vielen Menschen Muskeln und Gelenke innerhalb und außerhalb des Kraniomandibulären System und führen zu entsprechenden myofaszialen Schmerzen. Mit Hilfe einer Jig-Schiene können hohe Kräfte beim Knirschen und Pressen vermieden werden.

Eine bedeutende Rolle spielt das Kraniomandibuläre System in der Regulation des Körpergleichgewichts im Schwerkraftfeld der Erde. Das zentrale Regulationsorgan ist dabei das Kleinhirn. Es bekommt seine Afferenzen aus verschiedenen Sensoren und Rezeptoren: aus dem Sehsinn, aus dem Hörsinn und dem Gleichgewichtssinn, aus den Propriozeptoren aller Stütz- und Bewegungsmuskeln (vor allem der Fußsohle) und nicht zuletzt aus den Rezeptoren des N. trigeminus im Zahnahlteapparat jedes Zahnes, den Kaumuskeln und der Kapseln der Kiefergelenke. Entsprechend dieses sensorischen und rezeptorischen Inputs reguliert das Kleinhirn efferent das Körpergleichgewicht. Das Ergebnis dieses Regulationsvorgangs ist die Körperhaltung. In unserem Buch über Kraniofaziale Orthopädie haben wir diese neurophysiologischen Zusammenhänge ausführlich beschrieben.

Okklusionsstörungen aufgrund von Formstörungen der Kauflächen, Zahnfehlstellungen, fehlenden Antagonisten und/oder Kieferanomlien geben störenden afferenten Input an das Kleinhirn. Dies kann zu Körperfehlhaltungen und entsprechenden muskulären Überlastungen und Schmerzen führen. Auch Schwindelerkrankungen können die Folge sein. Mit einer Stabilisierungsschiene können wir für störungsfreien propriozeptiven Input sorgen und therapeutisch auf Körperfehlhaltungen einwirken.